Taiwans Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (蕭美琴) ist überraschend nach Italien gereist. Sie nimmt auf der Insel Ventotene an der zweiten „Ventotene-Konferenz für Freiheit und Demokratie" teil. Das bestätigte das taiwanische Außenministerium am Freitag in Taipei. Begleitet wird Hsiao von Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍). Die Reise war vorab nicht angekündigt worden.
Öffentlich gemacht hatte den Besuch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno, die die Konferenz initiiert hat. Sie erklärte, Hsiaos Teilnahme sei bis zur Ankunft geheim gehalten worden, um sie gegen Druck aus Peking abzusichern. Niemand – auch nicht China – könne entscheiden, wer auf europäischem Boden empfangen werde und wer sprechen dürfe. Einschüchterung dürfe nicht bestimmen, wer an der demokratischen Debatte teilnehme.
China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und übt regelmäßig Druck auf andere Länder aus, hochrangige taiwanische Politiker nicht zu empfangen.
Die Insel Ventotene westlich von Neapel gilt als Symbolort der europäischen Einigung: Dort entstand 1941 in der Verbannung unter dem Faschismus das „Manifest von Ventotene", ein Grundlagentext des europäischen Föderalismus. Die Konferenz läuft noch bis Samstag; unter den Gästen ist auch die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin von 2022, Oleksandra Matwijtschuk.
Für Hsiao ist es die zweite Europareise seit ihrem Amtsantritt im Mai 2024. Im November vergangenen Jahres war sie in Brüssel bei der Jahrestagung der Interparlamentarischen Allianz zu China aufgetreten.