Taiwan und Europa seien natürliche Partner beim Schutz von Unterseekabeln und im Kampf gegen hybride Kriegsführung, so Lutz Güllner, Leiter des Europäischen Wirtschafts- und Handelsbüros in Taipei. In einem Interview mit Nikkei Asia sagte er, es gebe einen “klaren politischen Willen”, dass die EU die Zusammenarbeit mit Taiwan stärken wolle.
Vor seinem Amt als europäischer Top-Diplomat arbeitete Güllner in der Abteilung für Strategische Kommunikation und Informationsanalyse im Europäischen Auswärtigen Dienst. Diese Erfahrungen im Kampf gegen Desinformationen haben ihn gut vorbereitet auf die Arbeit in Taipei, in einer Zeit in der China immer wieder mit “Grauzonenaktivitäten” Druck auf Taiwan ausübt. In Taiwan gehe es bei Desinformation oft, wie auch in der EU, darum was “gesagt werden darf”. Güllner ist der Meinung, dass der Fokus weniger auf dem Inhalt liegen sollte, sondern auf dem Verhalten der Akteure. Man müsse sich anschauen, welche Methoden benutzt werden, wie technische Manipulation, der Kauf von Zeitungen und Journalisten, die keine richtigen Journalisten seien.
Güllner betont außerdem, dass Europa und Taiwan voneinander lernen können, um ihre Resilienz zu stärken. Nach der russischen Invasion der Ukraine und ihren Auswirkungen auf Europa sei das zu einem zentralen Konzept geworden. Eine der sichtbarsten Bedrohungen, die Taiwan und Europa, insbesondere Skandinavien, teilen, betrifft Unterseekabel. Diese werden als anfällig für russische oder chinesische Eingriffe betrachtet. Nachdem im Februar 2025 ein unter togoischer Flagge fahrendes Frachtschiff ein Unterseekabel zwischen Taiwan und Penghu beschädigte, wurde der chinesische Kapitän zu drei Jahren Haft verurteilt.
Lutz Güller sieht hier viele Parallelen zu Ereignissen in der Ostsee. “Wie antwortet man darauf, wie verhindert und erkennt man es? Selbst die Erkennung ist nicht so einfach, weil wir zu dem Zeitpunkt, als die Kabel verlegt wurden, keine Sensoren hatten. Wie also rüstet man seine eigene Infrastruktur so aus, dass man es entdecken kann?"