Am Rande der diesjährigen Universiade (World University Games) in Deutschland sollen Chinesen versucht haben, die Übergabe eines Glückwunschreibens an taiwanische Athleten zu verhindern. Das von Bildungsminister Cheng Ying-yao (鄭英耀) unterzeichnete Schreiben war für die Taekwondo-Sportler Hung Jiun-yi (洪俊義), Jung Jiun-jie (鍾俊傑) und Huang Cho-cheng (黃卓乘) bestimmt. Diese hatten am Mittwoch eine Silbermedaille im Herren-Kyorugi gewonnen.
Videoaufnahmen zeigen einen Mann und eine Frau dabei, wie sie mit dem Handy filmen und versuchen James Cheng (鄭世忠), den Direktor der taiwanischen Sportbehörde, daran zu hindern, das Schreiben an die Athleten zu überreichen. Auf Mandarin wirft die Frau der Delegation einen Regelverstoß vor und fragt, ob in dem Schreiben "Chinese Taipei" stehe. Damit impliziert sie, dass in dem Schreiben die Bezeichnung "Taiwan" genutzt worden sein könnte. Taiwanische Sportler nehmen entsprechend des Lausanne Abkommens von 1981 in der Regel unter der Bezeichnung "Chinese Taipei" an internationalen Sportveranstaltungen teil, so auch bei den World University Games.
Die Identität der beiden Personen ist ungeklärt, auf dem im Video zu sehenden Rucksack der Frau befindet sich jedoch ein Aufnäher einer chinesischen Flagge.
Der taiwanische Präsident Lai Ching-te äußerte sich am heutigen Donnerstag zu dem Vorfall und warf China vor, gegen den Sportgeist zu verstoßen und sich entgegen der von den World University Games vertretenen Idealen von Offenheit und Respekt zu verhalten. Gleichzeitig bedankte er sich bei den Athleten, die ihr Können unter Beweis gestellt hatten, sowie allen Taiwanern, die sich für die Souveränität des Landes einsetzten. Taiwan werde weiterhin gelassen und selbstbewusst auf Provokationen und Druckausübung reagieren. Auch Abgeordnete sowohl der Regierungs- als auch Oppositionsparteien kritisierten den Vorfall und riefen zu Respekt gegenüber den Athleten auf.
Die Rhine-Ruhr 2025 FISU World University Games finden noch bis zum 27. Juli in Bochum, Duisburg, Essen, Mülheim an der Ruhr und Hagen in Nordrhein-Westfalen sowie Berlin statt. Mit zwei Goldmedaillen, sieben Silbermedaillen und fünf Bronzemedaillen belegt das taiwanische Team derzeit den 11. Platz im gewichteten Medaillenspiegel, beziehungsweise den 7. Platz im Ranking nach Medaillenanzahl.