Die Aufführungshalle der Chiang-Kai-shek-Gedenkstätte in Taipei zeigt künftig regelmäßig Menschenrechtsfilme. Die Halle wurde hierfür funktionell als Kino erweitert. Damit folgt der Ort einer politischen Neuausrichtung. Aus einem Denkmal zur Verehrung des früheren autoritären Staatschefs Chiang Kai-shek (蔣中正) soll ein Bildungsort für Demokratie werden. Die Maßnahme ist Teil von Taiwans Bemühungen zur Übergangsjustiz.
Zum Auftakt läuft bis Ende Oktober die Reihe „Taiwanische Minnan-Filme über Menschenrechte“, die 18 Werke von 1959 bis heute umfasst. Gezeigt werden Klassiker wie Wan Jens (萬仁) Super Citizen Ko (超級大國民) über die Verfolgungen des Weißen Terrors, Wang Tungs (王童) Vogelscheuche (稻草人) und Der schweigende Hügel (無言的山丘) sowie der neue Animationsfilm Chu Ke-liang gegen die Teufelspartei (諸葛四郎大戰魔鬼黨). Auch Ke Chin-yuans (柯金源) Dokumentarfilm Der Tempel (神殿) ist erstmals in einer Fassung mit Minnan-Sprachspur zu sehen.
Kulturminister Li Yuan (李遠) betonte bei der Eröffnung, dass an diesem Ort vor 45 Jahren „nur die Geschichte eines Mannes“ erzählt worden sei. Heute aber eröffne die Vorführung vieler Stimmen und Geschichten ein neues Kapitel. „Das ist ein wichtiger Meilenstein der Übergangsjustiz“, so Li.
Die Geschichte des taiwanischen Minnan-Films selbst spiegelt gesellschaftliche Brüche wider. In den 1960er-Jahren entstanden jährlich bis zu 300 Produktionen, bevor das Mandarin-sprachige Kino den Markt verdrängte. Erst seit den 1990er-Jahren und besonders nach 2000 greifen Regisseure wieder häufiger Tabuthemen wie das 228-Massaker oder die politische Verfolgung auf.
Das Kino ist mit modernster Technik ausgestattet. Li kündigte an, die Gedenkstätte solle künftig eng mit dem Nationalen Menschenrechtsmuseum kooperieren. Ziel sei es, das Taiwan International Human Rights Film Festival als „drittes großes Filmfestival“ neben den Golden Horse Awards und dem Taipei Film Festival zu etablieren.