Mit der Eröffnung der Sonderausstellung „Hundert Schätze der Verbotenen Stadt und ihre Geschichten“ hat Taiwan in Prag einen kulturpolitischen Meilenstein erreicht. Am Donnerstagabend des 11. Septembers traten im Nationalmuseum gleich drei hochrangige Vertreter Taiwans auf. Anwesend waren Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍), Kulturminister Li Yuan (李遠) sowie Parlamentsvizepräsident Johnny Chiang (江啓臣) und Museumsdirektor Hsiao Tsung-huang (蕭宗煌). Ein solch hochrangiges Auftreten in einem Land ohne offizielle diplomatische Beziehungen ist bislang beispiellos und unterstreicht die wachsende Nähe zwischen Taiwan und Tschechien.
Die Ausstellung läuft vom 12. September bis 31. Dezember und umfasst 131 Werke aus der Sammlung des Palastmuseums in Taipei. Zu den Höhepunkten zählen der weltberühmte „Jadekohl“ (翠玉白菜), eine in Jade gemeißelte Skulptur aus der späten Qing-Zeit sowie die Bildrolle „Bild einer Flussuferszenerie zum Qingming-Fest“ (清明上河圖). Begleitet wurde die Eröffnung von einem Konzert des Taiwan National Chinese Orchestra, das taiwanische Volkslieder und Werke von Antonín Dvořák aufführte. Unter den Gästen waren die Parlamentspräsidenten beider Kammern und mehrere Vizeminister der tschechischen Regierung.
Museumsdirektor Michal Lukeš erinnerte in seiner Rede an seinen ersten Besuch in Taipei 2003, als er den Wunsch fasste, einmal Schätze der Verbotenen Stadt nach Prag zu holen. Zwanzig Jahre später sei dieser Traum mit der Präsentation des Jadekohls Wirklichkeit geworden. Er verglich dessen Symbolkraft mit der Mona Lisa im Louvre und betonte: „Das Palastmuseum verleiht seine kostbarsten Stücke nur an wahre Freunde.“
Museumsdirektor Hsiao betonte, das Palastmuseum wolle „mit Offenheit und Vielfalt den Dialog mit der Welt suchen und von Taiwan ausgehend, die Geschichten dieser Insel in die Welt tragen“. Damit war die Ausstellungseröffnung nicht nur ein kultureller, sondern auch ein diplomatischer Höhepunkt.