Taipei – 22. September 2025. Deutschlands De-facto-Botschaft in Taiwan erweitert ihre diplomatische Präsenz, da Berlin die Beziehungen zu Taipeh vertiefen möchte, sagte Deutschlands neuer Vertreter in Taiwan Karsten Tietz am Donnerstag in einem Exklusivinterview mit CNA.
Tietz, der sein Amt im August antrat, sagte, das Deutsche Institut Taipeh befinde sich in einer Wachstumsphase, da Deutschland die Widerstandsfähigkeit seiner Lieferketten stärken und sich an die sich wandelnden geopolitischen Verhältnisse anpassen wolle.
„Wir definieren unsere Beziehungen zu Taiwan jetzt“ im Einklang mit der China-Strategie Deutschlands, die die Notwendigkeit betont, die wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu China risikoärmer zu gestalten und die Lieferketten zu diversifizieren, sagte Tietz.
„Wir werden weiterhin viel mit China Handel treiben, aber nicht ausschließlich. Deshalb suchen wir nach anderen Partnern, um zu diversifizieren, und Taiwan ist einer davon“, sagte er.
Der Gesandte bezeichnete Taiwan als einen wichtigen Partner bei den Bemühungen, die Lieferketten in der Halbleiterindustrie und anderen kritischen Branchen widerstandsfähiger zu machen, und verwies dabei auf die gemeinsamen Werte Freiheit und Demokratie sowie die Achtung der regelbasierten internationalen Ordnung.
Dabei beschränke sich die bilaterale Zusammenarbeit nicht nur auf Halbleiter, unterstrich Tietz. Zwar habe diese durch den Bau einer Fabrik von TSMC in Dresden an Dynamik gewonnen, so Tietz, wies aber gleichzeitig daraufhin, dass beide Seiten kürzlich Vereinbarungen zur Stärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit in den Bereichen Mikroelektronik, KI und Wasserstoff unterzeichnet hätten.
Angesichts der wachsenden Bedeutung Taiwans für die Agenda Berlins werde das Deutsche Institut Taipeh bis Januar 2026 vier neue Mitarbeiter einstellen, wodurch sich die Gesamtzahl einschließlich lokaler Mitarbeiter auf 25 erhöhen werde, so der Vertreter.
Insbesondere die Zahl der Mitarbeiter, die sich mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten befassen, werde sich zwischen September und Januar nächsten Jahres von zwei auf vier verdoppeln, sagte er und bezeichnete diese Erweiterung als „ein klares Signal, dass wir unseren Beziehungen [zu Taiwan] große Bedeutung beimessen und unsere Sichtbarkeit erhöhen wollen”.
Das Deutsche Institut Taipeh vertritt in Ermangelung formeller diplomatischer Beziehungen die Interessen Berlins in Taiwan.