Taiwan will seine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Europa deutlich ausbauen. Für den neuen Gesandten bei der EU und in Belgien, Shieh Jhy-wey (謝志偉), ist Taiwan dabei von zunehmender Bedeutung für Europa.
Shieh, der von 2016 bis 2025 Taiwans Gesandter in Deutschland war, kennt die politischen Abläufe in Europa gut. Bereits in seiner ersten Woche in Brüssel begleitete er offizielle Besuchsdelegationen und zeigte sich beeindruckt von der engen Zusammenarbeit zwischen den taiwanischen Vertretungen und lokalen Partnern.
Taiwan und Europa kooperieren bereits in Bereichen wie Kultur, Bildung und Energie. Neu ist nun die gezielte Fokussierung auf Sicherheitsthemen. Shieh betont, dass Taiwan in der Halbleiterindustrie eine Schlüsselrolle einnimmt, die für Hightech und KI entscheidend ist, ein Faktor, der auch europäische Sicherheitsinteressen berührt.
Die geopolitische Bedeutung Taiwans ist für Europa in den letzten Jahren deutlicher geworden. Ereignisse wie die Proteste gegen das Auslieferungsgesetz in Hongkong 2019, die weltweite COVID-19-Pandemie und Russlands Krieg in der Ukraine lassen die Möglichkeit einer Eskalation des Taiwankonflikts wahrscheinlicher erscheinen. Die neue deutsche China-Strategie 2023 erkennt zudem ausdrücklich an, dass eine Eskalation in der Taiwanstraße Auswirkungen auf Deutschland und die EU hätte.
Shieh illustriert die Situation bildhaft: „Taiwan ist wie das Tor in einem globalen Fußballspiel. Jede Aktion rund um uns hat weltweite Folgen.“ Für China sei Taiwan ein strategischer Zugang zum Westpazifik – vergleichbar mit einem „Druckpunkt“, der das ganze System beeinflusst. Hsieh macht deutlich, dass Taiwan nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sicherheitspolitisch eine Schlüsselrolle einnimmt, die Europa zunehmend anerkennt.