Taipei – 14. Oktober 2025. Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍) forderte am Montag bei einem Treffen mit Karsten Tietz, dem neu ernannten Direktor des Deutschen Instituts Taipei, eine engere Zusammenarbeit zwischen Taiwan und Deutschland, um das internationale Recht und die internationale Ordnung zu wahren.
Lin erklärte in einem Facebook-Beitrag zum Treffen mit Tietz, dass Deutschland für Taiwan seit langem ein Vorbild in Sachen Industrialisierung und intelligente Fertigung sei. Mit der Errichtung eines Werks von TSMC in Deutschland hätten sich die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen vertieft.
Taiwan freue sich darauf, gemeinsam mit Europa industrielle Ökosysteme in den Bereichen KI und Halbleiter aufzubauen, und hoffe, dass Deutschland eine aktive Rolle bei der Förderung von Frieden und Stabilität im Indopazifik spielen werde, so Lin.
Der Außenminister fügte hinzu, als China versucht habe, die UN-Resolution 2758 zu verzerren und sie mit dem „Ein-China-Prinzip“ in Verbindung zu bringen, habe der deutsche Außenminister Johann Wadephul auf das Verbot der Anwendung von Gewalt in der UN-Charta verwiesen, um die Unterstützung Berlins für Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße zu bekräftigen.
Lin warnte, dass China wahrscheinlich drei bevorstehende Jahrestage nutzen werde, um „Lawfare”- und „Narrative Warfare”-Kampagnen zu starten, die darauf abzielen, Taiwans Souveränität zu untergraben: den Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg, die Gründung der UNO und den Tag der Rückgabe Taiwans. Mit der Rückgabe Taiwans ist Taiwans Übergabe durch Japan an die Republik China nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gemeint.
Lawfare sei eine Strategie, die China nutze, um seinen Einfluss auszuweiten und das Völkerrecht zu verzerren, sagte Lin.
Tietz seinerseits erklärte, Taiwan und Deutschland teilten universelle Werte wie Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, und beide müssten mit zunehmend aggressiven Nachbarländern koexistieren. Diese Situation schaffe weitreichende Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Nationen.
Tietz sagte, die Lage in der Taiwanstraße sei mit Deutschland verbunden, da Freihandel und eine regelbasierte internationale Ordnung direkt mit den nationalen Interessen Deutschlands verknüpft seien. Er fügte hinzu, dass sich das Verbot der Anwendung von Gewalt gemäß der UN-Charta auch auf Taiwan erstrecke.