Taiwans Wirtschaft dürfte 2025 kräftig wachsen. Das Chung-Hua Institut für Wirtschaftsforschung (中華經濟研究院) hat seine Prognose am 17. Oktober auf 5,45 % angehoben. Für 2026 erwartet das Institut ein moderates Wachstum von 2,55 %. Institutsleiter Lien Hsien-ming (連賢明) bezeichnete die Aussichten als „vorsichtig optimistisch“ und betonte die anhaltend starke Nachfrage nach Halbleitern durch den globalen Boom im Bereich Künstliche Intelligenz.
Die Aufwärtsrevision begründet das Institut vor allem mit zwei Faktoren: Zum einen mit vorgezogenen Bestellungen, die durch US-Zölle ausgelöst wurden, zum anderen mit der anhaltend hohen Nachfrage nach Halbleitern durch KI-Anwendungen. Verglichen mit der vorherigen Prognose hat das Institut die Wachstumsprognose um 2,4 Prozentpunkte nach oben korrigiert.
Lien Hsien-ming hob hervor, dass die taiwanische Wirtschaft sowohl im Inland als auch international robust sei. Laut den Daten des Statistischen Amts könnte die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr 2025 sogar 6,75 % erreichen, während das zweite Halbjahr ebenfalls besser als erwartet ausfallen dürfte.
Mit Blick auf die bevorstehenden US-China-Handelsgespräche im November und Chinas erneute Exportbeschränkungen für Seltene Erden zeigte sich Lien Hsien-ming vorsichtig, ohne jedoch von Extremszenarien auszugehen. Szenarien wie eine Erhöhung der US-Zölle auf 100 % oder ein umfassendes Verbot des Exports von Seltenen Erden wurden in der Prognose nicht berücksichtigt, da ihr Eintritt als unwahrscheinlich gilt. Zudem seien taiwanische Halbleiterunternehmen kaum direkt betroffen; vor allem Hersteller von Halbleiterausrüstung nutzen diese Rohstoffe.