Europa hat in den vergangenen Jahren eine „grundlegende Veränderung“ in seiner Haltung zu Taiwan erlebt, erklärte der frühere deutsche Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer auf dem „European Values Summit“ in Prag. Die EU müsse die globale Politik künftig aus geostrategischer Perspektive bewerten, insbesondere in Bezug auf die Taiwanstraße, betonte er.
Bütikofer wies darauf hin, dass Taiwan lange vor allem als abhängiger Handelspartner betrachtet wurde, dessen Demokratie geschützt werden müsse, aber politisch und strategisch kaum auf Augenhöhe behandelt wurde. Dieses Bild habe sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt, ausgelöst durch Chinas aggressives Verhalten, Taiwans aktive Rolle in der Welt und das geostrategische Umdenken Europas.
Als Wendepunkt nannte er Chinas Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und die militärische Unterstützung Russlands. Zugleich habe Taiwans lebendige Demokratie und sein Engagement für die internationale Gemeinschaft der EU gezeigt, dass die Insel ein gleichberechtigter Partner sei. Der Einsatz ökonomischer Druckmittel Chinas habe Europa zudem dazu gebracht, Handel und Sicherheit nicht länger getrennt zu betrachten.
Bütikofer betonte, dass unter der Regierung von Tsai Ing-wen (蔡英文) Fortschritte in den EU-Taiwan-Beziehungen erzielt wurden, die Partnerschaft jedoch noch nicht voll ausgebaut sei. Europa müsse Taiwan nicht länger als Sonderfall betrachten, sondern dessen strategische Bedeutung für die Sicherheit im Indopazifik und damit auch für Europa erkennen. Die Stabilität Taiwans sei entscheidend für die Sicherheit der gesamten Region, einschließlich Japan, Südkorea, Australien und der Philippinen.