Der stellvertretende Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Lin Fei-fan (林飛帆), hat gestern (02. Dezember) in einem Interview mit RTI erklärt, die kürzlich von Präsident Lai Ching-te (賴清德) vorgestellten drei Stufen zur Stärkung der nationalen Verteidigung seien keine Annahmen, sondern beruhten auf Einschätzungen hochrangiger US-Stellen und großer Thinktanks, auf regionalen Militärentwicklungen und auf dem aktuellen Aufbau- und Übungstempo der Streitkräfte. Anlass ist das nationale Sicherheitsprogramm "Schutz der demokratischen Nation Taiwans" sowie ein Sonder-Verteidigungsbudget von 1,25 Billionen Taiwan-Dollar (etwa 36 Milliarden Euro), das über einen Zeitraum von acht Jahren investiert werden soll, um ein modernes Verteidigungssystem aufzubauen ("Schild Taiwans", auch T-Dome), das auf Chinas Drohungen und neue Kriegsformen reagiert.
Lin sagte, 2027 werde von US-Seite als Schlüsseljahr genannt, weil der chinesische Staatspräsident Xi Jinping (習近平) der Volksbefreiungsarmee bis dahin Einsatzfähigkeit gegen Taiwan abverlangt habe; dies markiere einen Punkt der "Fähigkeitsbildung", bedeute aber nicht zwangsläufig einen Angriff. Taiwan strebe daher bis 2027 eine hohe Einsatzbereitschaft der gemeinsamen Verbände an, um wirksam abzuschrecken, und wolle bis 2033 eine hoch robuste, umfassend abschreckende Verteidigungskraft erreichen, mit dem Endziel einer dauerhaft gesicherten Verteidigung.
Als weitere Begründung verwies Lin auf Aussagen des ehemaligen US-Verteidigungsbeamten Randy Schriver, der 2027, 2035 und 2049 als potenziell kritische Zeitpunkte für chinesische Militäraktionen identifiziert hatte. Daher sei das ab 2026 geplante Achtjahresbudget darauf ausgelegt, Fähigkeiten schrittweise aufzubauen, wobei 2033 ein wichtiger Meilenstein zur Bewertung der Fortschritte sein wird.