Taiwans Premierminister Cho Jung-tai (卓榮泰) hat die strategische Bedeutung der Insel für die Weltwirtschaft unterstrichen. Bei der Verleihung des „Excellent Backbone Enterprise Award“ am Freitag in Taipei betonte Cho, dass die globale Nachfrage nach „nicht-roten“ – also von China unabhängigen – und demokratischen Lieferketten wachse. Taiwan müsse diese historische Chance nutzen, um seine unverzichtbare Rolle weiter auszubauen.
Wirtschaftlich sieht sich Taiwan auf einem robusten Kurs. Cho verwies auf Prognosen der Statistikbehörde, wonach das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr beachtliche 7,37 Prozent erreichen könnte. Zudem befinden sich die Verhandlungen über Zollvereinbarungen mit den USA laut dem Premier in der Endphase. Ziel sei es, Unternehmen schnell Planungssicherheit für die „Post-Zoll-Ära“ zu geben.
Am Rande der Veranstaltung reagierte der Regierungschef auch auf innenpolitische Kritik. Hintergrund ist ein aktuelles Interview von Präsident Lai Ching-te (賴清德) auf einem Gipfel der New York Times. Darin hatte Lai die taiwanische Halbleiterindustrie als „globales Gemeingut“ bezeichnet und die Expansion von Firmen in die USA und andere Regionen ausdrücklich unterstützt. Die Opposition warnte daraufhin vor einer „Aushöhlung“ der heimischen Industrie.
Auf die Frage von Journalisten, ob diese Strategie tatsächlich zu einem Substanzverlust am Standort Taiwan führe, antwortete Cho vor Betreten des Saals kurz und bündig: „Unmöglich.“ Die Regierung bleibt damit bei ihrer Linie, dass die Internationalisierung der Chip-Industrie Taiwan stärkt, statt es zu schwächen.