Das taiwanische Kabinett hat am heutigen Donnerstag einen Entwurf für eine Änderung des Gesetz zur künstlichen Befruchtung gebilligt. Frauenrechtsgruppen haben ihre Unterstützung für den Entwurf ausgedrückt, während LGBT-Gruppen den Entwurf als ersten Schritt positiv bewerten.
Der Entwurf sieht vor, den Anwendungskreis von künstlicher Befruchtung auf unverheiratete Frauen ab 18 Jahren sowie lesbische Paare auszuweiten. Das in Taiwan kontrovers diskutierte Thema der Leihmutterschaft wurde vorerst aus dem Gesetzesentwurf ausgeklammert.
Huang Sue-ying (黃淑英), Vorsitzende der NGO Taiwan Women’s Link (台灣女人連線) wies darauf hin, dass die Öffnung von künstlicher Befruchtung für ledige Frauen einer Öffnung für auf quasi alle Frauen entspreche. Dies würde nicht nur die Selbstbestimmung der Frau vorantreiben, sondern könnte auch der sinkenden Geburtenrate in Taiwan entgegenwirken. Sie betonte, dass viele Menschen ihre Eizellen eingefroren haben, diese aber nach aktueller Rechtslage nur verwenden können, wenn sie verheiratet sind.
Der Entwurf des Kabinetts sieht auch vor, dass vor der künstlichen Befruchtung eine Überprüfung zur Sicherstellung des Kindeswohls vorgenommen wird. Li Hsuan-ping (黎璿萍), Generalsekretärin des Verein zur Förderung der Rechte von LGBT-Familien (台灣同志家庭權益促進會) wies darauf hin, dass es in öffentlichen Anhörungen viele falsche oder sogar diskriminierende Kommentare hinsichtlich unverheirateter Frauen und LGBT-Familien gab. Sie zeigte sich besorgt darüber, ob das Personal, welches die Kindeswohlprüfung durchführen wird, gegenüber alternativen Familienmodellen unvoreingenommen sein wird. Außerdem hofft sie darauf, dass die taiwanische Regierung als nächstes ein Gesetz zur Leihmutterschaft vorantreiben wird, um auch schwulen Paaren eine Möglichkeit zur Familiengründung zu bieten.
Der Gesetzentwurf sieht auch eine Ausweitung des „Rechts auf Kenntnis der Abstammung“ vor. Derzeit dürfen Personen nur bei Heirat, Adoption oder schwerer Erkrankung Auskunft über Blutsverwandtschaft einholen, um zu überprüfen, ob sie einen nahen Verwandten heiraten oder adoptieren, oder um die Krankengeschichte zu verstehen. Alle gespendeten Spermien und Eizellen sind dagegen vollständig anonym. Nach dem Gesetzesentwurf des Kabinetts sollen in Zukunft Personen vor Durchführung einer künstlichen Befruchtung die Nationalität, Blutgruppe und Hautfarbe des Spenders erfahren können.
Li Hsuan-ping zufolge geht das jedoch nicht weit genug. Sie wies darauf hin, dass Kinder gemäß der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes (CRC) das Recht haben, ihre Herkunft und damit zusammenhängende Informationen zu erfahren. Wenn Spender weiterhin anonym bleiben können, würde das der Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft nicht helfen.