Am heutigen zweiten Tag der Militärübung „Justice Mission-2025“ hat die chinesische Volksbefreiungsarmee ihre Aktivitäten wie gestern angekündigt ausgeweitet. Seit heute morgen führt Peking in fünf Zonen rund um Taiwan scharfe Schussübungen durch, die eine vollständige Blockade der Insel simulieren. Das taiwanische Verteidigungsministerium reagierte mit der Einrichtung eines Krisenzentrums und hält die Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft, während chinesische Einheiten weiterhin Druck auf die strategisch wichtige Anschlusszone ausüben.
Präsident Lai Ching-te (賴清德) reagierte am Dienstag mit einem Appell zur nationalen Besonnenheit. Er dankte den Soldaten und der Küstenwache für ihren Einsatz und betonte, dass Taiwan angesichts der gezielten Einschüchterung Chinas standhaft bleiben müsse. Lai unterstrich den verantwortungsbewussten Kurs seiner Regierung: Man werde den Konflikt nicht eskalieren, aber die Souveränität und Freiheit des Landes entschieden verteidigen. Das Vorgehen Pekings bezeichnete er als unangemessen für eine verantwortungsbewusste Großmacht.
Auch Premierminister Cho Jung-tai (卓榮泰) schaltete sich ein, um die innenpolitische Stabilität zu stärken. Angesichts der militärischen Bedrohung rief er die Bevölkerung zur Einheit über Parteigrenzen hinweg auf. Cho betonte, dass die Regierung auf alle Szenarien vorbereitet sei und die nationale Sicherheit sowie die gesellschaftliche Ordnung oberste Priorität hätten. Nur durch Geschlossenheit könne das Land den massiven Druck von außen neutralisieren.
Trotz der simulierten Blockade wichtiger Seehandelswege meldeten die Infrastrukturbetreiber eine stabile Lage. Der staatliche Energieversorger Taipower gab Entwarnung bezüglich der nationalen Reserven: Die Kohlevorräte reichen für mindestens 30 bis 40 Tage aus. Auch die Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) sei gesichert; laut Taipower-Chef Tseng Wen-sheng (曾文生) konnten entsprechende Tankschiffe die Häfen trotz der laufenden Manöver am Morgen planmäßig anlaufen. Die Behörden beobachten die Situation der Energieimporte jedoch weiterhin unter erhöhter Wachsamkeit.