Im Zuge der jüngsten chinesischen Militärmanöver rund um Taiwan sind Berichte über angebliche Drohnenflüge nahe der Hauptstadt Taipei als gezielte Desinformation identifiziert worden. Das taiwanische Verteidigungsministerium und Faktenchecks der Deutschen Welle (DW) wiesen Darstellungen chinesischer Staatsmedien zurück, die suggerieren, eine Drohne der Volksbefreiungsarmee sei unweit des Wahrzeichens Taipei 101, innerhalb der sogenannten Anschlusszone, die lediglich 24 Seemeilen (ca. 44 Kilometer) vor der Küste verläuft, geflogen. Das Ministerium stufte die Veröffentlichung der Aufnahmen als Mittel der psychologischen Kriegsführung ein, die darauf abziele, die taiwanische Bevölkerung zu verunsichern.
Eine detaillierte Bildanalyse der DW zeigte, dass die Bilder aus größerer Distanz aufgenommen wurden, als zunächst von vielen vermutet. Durch einen Abgleich mit 3D-Daten und geografischen Markern, konnte an der Perspektive der Aufnahmen festgestellt werden, dass sie aus großer Entfernung über der Meeresmündung oder der Taiwanstraße aufgenommen wurden.
Vize-Geheimdienstchef Generalmajor Hsieh Jih-sheng (謝日升) erklärte in einer Pressekonferenz, dass Drohnen des Typs TB-001 zwar in der Nähe der Insel operiert hätten, jedoch zu keinem Zeitpunkt in die Anschlusszone eingedrungen seien. Laut Hsieh sei es zwar technisch möglich, mit hochauflösender Optik aus dieser Distanz Aufnahmen der Stadt anzufertigen, ein direkter Überflug des Territoriums habe jedoch nicht stattgefunden. Experten vermuten, dass die Drohnen der Raketenstreitkräfte der 61. Basis zugeordnet sind, die regelmäßig Aufklärungsflüge durchführen.
Der Militärexperte Lin Ying-yu (林穎佑), Professor an der Tamkang-Universität (淡江大學), wies darauf hin, dass die Bilder vermutlich nachträglich bearbeitet wurden. „Peking setzt verstärkt auf die Macht der Bilder, um psychologischen Druck auszuüben“, so Lin. Die Wahl der Tamsui-Flussmündung als Bildvordergrund sei symbolisch hoch aufgeladen, da dieser Bereich als strategisches „Tor zur Hauptstadt“ gilt. Durch den Einsatz von Bildbearbeitungssoftware könne die räumliche Nähe zur Stadt massiv verzerrt dargestellt werden, um eine Verletzung des Luftraums zu suggerieren, die faktisch nicht stattgefunden habe.