Taipei – 6. Januar 2026. Eine groß angelegte chinesische Invasion Taiwans könnte mehr als 100.000 Opfer in der Volksbefreiungsarmee (PLA) sowie rund 50.000 tote taiwanische Soldaten zur Folge haben. Das geht aus einem Bericht des German Marshall Fund of the United States (GMF) hervor, der am Montag unter dem Titel „If China Attacks Taiwan“ veröffentlicht wurde.
Der Bericht wurde von einem Autorenteam verfasst, dem unter anderem GMF-Geschäftsführerin Bonnie S. Glaser und der Analyst des American Enterprise Institute, Zack Cooper, angehören. Er analysiert die möglichen Auswirkungen und Folgen einer chinesischen Militärinvasion Taiwans aus wirtschaftlicher, militärischer, gesellschaftlicher und internationaler Perspektive.
Dem Bericht zufolge würden bereits bei einem begrenzten Konflikt die wirtschaftlichen Kosten Chinas Exporte belasten und insbesondere die Elektronikindustrie durch Unterbrechungen der Lieferketten treffen. Im Falle eines groß angelegten Krieges würde sich die Weltwirtschaft in zwei Lager spalten: eine von den USA geführte Koalition, die vor allem von Marktnachfrage getragen wird, und ein von China angeführtes Bündnis, das sich auf Rohstoffe und Grundmaterialien stützt.
Militärisch geht der Bericht davon aus, dass China bei einem begrenzten Konflikt zwischen 2026 und 2030 seinen Vorteil überraschender künftiger Angriffe verlieren würde. Taiwan und die USA könnten dies nutzen, um internationale Verbündete zur Unterstützung Taiwans zu mobilisieren.
Bei einer groß angelegten Invasion würde ein mehrere Monate dauernder Krieg laut Bericht mehr als 100.000 PLA-Tote fordern. Hinzu kämen etwa 50.000 tote taiwanische Soldaten und 50.000 taiwanische zivile Opfer, 5.000 tote US-Soldaten und 1.000 getötete Zivilisten sowie 1.000 gefallene japanische Soldaten und 500 zivile Opfer. Der Konflikt würde demnach vermutlich mit dem Rückzug der PLA von der Hauptinsel Taiwans enden, während China die Kontrolle über die Inseln Kinmen und Matsu behalten könnte.
Der Bericht argumentiert, dass die hohen Opferzahlen und „spektakulären“ Verluste wie versenkte Flugzeugträger schwer zu verbergen wären. Eine Niederlage könnte die chinesische Führung unter Druck setzen, die Verantwortung auf PLA-Kommandeure abzuwälzen, was möglicherweise einen Militärputsch auslösen könnte.
In gesellschaftlicher Hinsicht würde ein begrenzter Konflikt in der Taiwanstraße voraussichtlich die Versorgung der Küstenregionen mit Lebensmitteln und Medikamenten durch Transportblockaden beeinträchtigen. Eine länger andauernde Auseinandersetzung mit steigenden Opferzahlen würde laut Bericht die Legitimität des Krieges infrage stellen und soziale Unruhen begünstigen.
International würde ein begrenzter Konflikt die bilateralen Beziehungen schädigen, während ein groß angelegter Krieg dazu führen könnte, dass die USA und ihre Verbündeten Botschafter abziehen und chinesisches Botschaftspersonal ausweisen. Einige Länder könnten sich aus der „Neuen Seidenstraße“ zurückziehen und die Zusammenarbeit im Rahmen der BRICS einstellen. Mit zunehmender Dauer des Krieges müsste China zudem mit härteren internationalen Sanktionen und Boykotten rechnen.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass selbst begrenzte militärische Maßnahmen verheerende Folgen für die chinesische Wirtschaft hätten, wobei sich die Kosten möglicherweise auf Billionen US-Dollar belaufen würden.