Die ehemalige Präsidentin des tschechischen Abgeordnetenhauses, Markéta Pekarová Adamová, hat sich bei einem Besuch in Taipei für eine signifikante Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen Tschechien und Taiwan ausgesprochen. In einem Exklusivinterview mit Radio Taiwan International (RTI) identifizierte sie am Freitag insbesondere die Verteidigungsindustrie als Schlüsselfeld, in dem beide Demokratien voneinander profitieren könnten.
Adamová, die mittlerweile für ein privates Beratungsunternehmen mit Fokus auf asiatische Märkte tätig ist, betonte, dass der Austausch in den Bereichen Handel, Kultur und Bildung bereits floriere. Nun gelte es, diese Partnerschaft auf den Sicherheitssektor auszuweiten. Konkret nannte sie die Vernetzung tschechischer und taiwanischer Unternehmen in den Bereichen Satellitentechnik, Drohnenentwicklung und Munitionsproduktion. Ziel sei es, die zivile Verteidigungsfähigkeit und die technologische Resilienz beider Länder durch direkte Kooperationen zu stärken.
Ein zentrales Thema des Gesprächs mit RTI-Intendantin Cheryl Lai (賴秀如) waren die wachsenden Sicherheitsrisiken durch die Volksrepublik China. Adamová verwies auf den Vorfall im März 2024, als die heutige taiwanische Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (蕭美琴) während eines Besuchs in Prag von chinesischen Militärattachés verfolgt worden war, sowie auf die jüngste Festnahme eines der Spionage verdächtigten Journalisten in Tschechien. Diese Ereignisse klassifizierte Adamová als typische „hybride Bedrohungen“, wie sie auch von Russland ausgeübt würden. Man dürfe Peking nicht unterschätzen, da China den Ukraine-Krieg genau beobachte, daraus lerne und eng mit Moskau kooperiere.
Im Dialog über die Rolle der Medien warnten beide Gesprächspartnerinnen vor dem Einfluss von Desinformation. Die Verbreitung von Fake News über soziale Netzwerke setze öffentlich-rechtliche Sender unter enormen Druck. RTI-Intendantin Lai merkte an, dass selbst etablierte Medienhäuser wie die Deutsche Welle gezwungen seien, Plattformen wie TikTok zu nutzen, um jüngere Zielgruppen überhaupt noch mit verlässlichen Informationen zu erreichen.
Abschließend mahnte Adamová unter Verweis auf die tschechische Geschichte unter nationalsozialistischer und kommunistischer Herrschaft zur Wachsamkeit. Demokratie sei kein garantierter Dauerzustand und könne durch politische Fehlentscheidungen kippen. Ein enger Schulterschluss der weltweiten Demokratien sei daher unerlässlich, um gemeinsame Werte zu verteidigen.