Taiwan wird weiterhin den Beobachterstatus bei der Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) anstreben und auch künftig Delegationen zu begleitenden Veranstaltungen entsenden. Dies erklärte Gesundheitsminister Shih Chung-liang (石崇良) heute vor einer Sitzung des Gesundheitsausschusses des Parlaments gegenüber Journalisten vor dem Hintergrund des Austritts der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) .
Shih betonte, die USA spielten für die WHO eine sehr wichtige Rolle – sowohl bei der internationalen Unterstützung im Bereich der öffentlichen Gesundheit als auch bei der finanziellen Förderung. Der Austritt der USA habe daher erhebliche Auswirkungen auf die WHO. Dennoch bleibe die Organisation eine wichtige Plattform für öffentliche Gesundheit und den fachlichen Austausch.
Taiwan werde seine Bemühungen um einen Beobachterstatus bei der Weltgesundheitsversammlung fortsetzen. Die Teilnahme an Veranstaltungen am Rande der WHA biete wichtige Gelegenheiten zum Austausch mit anderen Ländern. Auch künftig werde Taiwan Delegationen zu entsprechenden Aktivitäten entsenden. Shih sagte: "Während der jährlichen Weltgesundheitsversammlung gibt es Gelegenheiten, sich mit Fachvertretern aus vielen Ländern auszutauschen. Das ist für Taiwan sehr hilfreich – etwa im Hinblick auf Seuchenprävention, Regulierungsfragen und wichtige Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit, darunter die Prävention von Krebs und chronischen Krankheiten. Der Erfahrungsaustausch und die Angleichung von Standards mit anderen Ländern sind von großem Nutzen. Deshalb werden wir uns weiterhin an solchen Aktivitäten beteiligen."
Chiang Kuan-yu (姜冠宇), ein Arzt, der in den vergangenen Jahren an Veranstaltungen am Rande der WHA teilgenommen hat, sagte am vergangenen Freitag in einem Interview mit Radio Taiwan International (RTI), der Austritt der USA aus der WHO könne zu einer Neuordnung der globalen Gesundheitsarchitektur führen.
Entscheidungsprozesse in globalen Gesundheitsfragen hätten sich zunehmend von den formellen Sitzungen der Weltgesundheitsversammlung hin zu internationalen Fachorganisationen außerhalb der Versammlung verlagert. Für Taiwan könne dies eine Chance sein, seine fachlichen Stärken einzubringen, außerhalb der WHA Glaubwürdigkeit aufzubauen und so Einfluss auf die Governance der WHO zu nehmen.