Zwei ukrainische Journalisten haben heute bei einer Pressekonferenz von ihren Eindrücken während ihres zweimonatigen Aufenthalts in Taiwan berichtet. Die ukrainische Journalistin Anna Lvova und der ukrainische Journalist Taras Andrukhovych, die für einen polnischen Radiosender tätig sind, befinden sich im Rahmen eines Programms zur Unterstützung ukrainischer Journalistinnen und Journalisten auf Einladung von Radio Taiwan International (RTI) und dem taiwanischen Außenministerium in Taiwan.
An der heutigen Veranstaltung nahmen auch mehrere europäische Repräsentanten und weitere Persönlichkeiten teil, darunter der Vertreter der Europäischen Union in Taiwan, Lutz Güllner, der Generaldirektor des Deutschen Instituts Taipei, Karsten Tietz, der Leiter des tschechischen Wirtschafts- und Kulturbüros Taipei, David Steinke, sowie der taiwanische Abgeordnete Chen Kuan-ting (陳冠廷) und die RTI-Vorsitzende Cheryl Lai (賴秀如).
Während ihres Aufenthalts führten Lvova und Andrukhovych mehr als 50 Interviews, unter anderem mit ranghohen Vertreterinnen und Vertretern taiwanischer Ministerien. Sie besuchten zudem die vor der chinesischen Küste gelegene Insel Kinmen. RTI-Vorsitzende Cheryl Lai betonte bei der Veranstaltung, dass heute der 1.440. Tag seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sei. Die beiden ukrainischen Journalistinnen und Journalisten hätten während ihres Aufenthalts intensive Gespräche mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen geführt. Das Programm biete der internationalen Öffentlichkeit eine seltene Perspektive, Taiwan neu kennenzulernen. Lai sagte: "Kurz nach Weihnachten erlebten sie mitten in der Nacht ein Erdbeben und kurz danach die chinesischen Militärübungen rund um Taiwan. Das war eine besondere Gelegenheit, Taiwan aus ihrer Perspektive zu sehen."
EU-Vertreter Lutz Güllner erklärte, die Unterstützung der Europäischen Union für die Ukraine sei unerschütterlich – sowohl finanziell als auch militärisch. Er betonte, dass das Ausbildungsprogramm für ukrainische Journalistinnen und Journalisten nicht nur dazu beitrage, dass die internationale Gemeinschaft Taiwan besser verstehe, sondern zugleich das Verständnis für die Ukraine vertiefe.
Der Generaldirektor des Deutschen Instituts Taipei, Karsten Tietz, zitierte den deutschen Pfarrer und Widerstandskämpfer Martin Niemöller, um zu verdeutlichen, dass Schweigen angesichts von Unterdrückung oder Invasion letztlich dazu führe, dass niemand mehr da sei, der einen selbst unterstütze. Tietz wies zudem auf eine Aussage von NATO-Generalsekretär Mark Rutte hin: Sollte China Taiwan angreifen, könnte Russland parallel einen Konflikt in Europa auslösen, um die Aufmerksamkeit Europas zu binden.
Er unterstrich, dass die Interessen Taiwans, der Ukraine und Europas eng miteinander verknüpft seien, und stellte die Frage, wie andere demokratische Länder Deutschland wahrnehmen würden, wenn es die Ukraine nicht unterstütze.
Tietz, sagte: "Meine Botschaft heute ist: Fragen wir uns selbst, welches Signal wir an Taiwan senden würden, wenn wir die Ukraine nicht ausreichend in ihrem heroischen Widerstand unterstützen. Welches Signal senden wir, wenn wir zulassen, dass die imperialistische Aggression Russlands Grenzen gewaltsam verändert? Wenn wir einer Demokratie in Not den Rücken kehren, wer würde dann glauben, dass wir nicht auch anderen Demokratien in Not den Rücken kehren werden? Deshalb wird Deutschland weiterhin an der Seite der Ukraine stehen."
Anna Lvova bezeichnete den Besuch der Insel Kinmen als eine besonders wertvolle Erfahrung. Sie habe gespürt, dass Taiwan und die Ukraine viele Gemeinsamkeiten teilen. Taras Andrukhovych erklärte, dass Taiwan und die Ukraine zwar geografisch weit voneinander entfernt seien, diese Reise für ihn jedoch eine "Brücke zwischen den Menschen" darstelle, die das gegenseitige Verständnis der beiden Gesellschaften fördere. Während seines Aufenthalts habe er nicht nur mit Expertinnen und Experten, politischen Entscheidungsträgern und Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft über zahlreiche Themen gesprochen, sondern auch viele persönliche Geschichten gehört. Dies habe ihm geholfen, Taiwan umfassender zu verstehen.