Taiwans Außenminister Lin Chia-long (林佳龍) hat Taiwan als Schlüsselpartner für die wirtschaftliche Erneuerung Europas positioniert. Beim Empfang einer hochrangigen Parlamentarierdelegation aus sieben europäischen Staaten in Taipei bot Lin an, die europäische „Reindustrialisierung“ durch Taiwans Expertise in den Bereichen KI und Halbleiter aktiv zu unterstützen. Ziel sei der gemeinsame Aufbau von Lieferketten, die unabhängig von chinesischem Einfluss funktionieren und so die wirtschaftliche Resilienz demokratischer Staaten stärken.
In den Gesprächen mit der Gruppe, die vom stellvertretenden Vorsitzenden des litauischen Auswärtigen Ausschusses, Žygimantas Pavilionis, angeführt wurde, thematisierte Lin auch die Sicherheit kritischer Infrastruktur. Er lud die europäischen Partner ein, sich einer im Oktober gestarteten Initiative zum Schutz internationaler Unterseekabel anzuschließen. Die Delegationsteilnehmer, die überwiegend aus Mittel- und Nordeuropa stammen, betonten die strategische Schicksalsgemeinschaft zwischen Europa und Taiwan. Sie bezeichneten sich selbst als Vertreter der „demokratischen Frontlinie“ und sprachen sich explizit für die Pläne der Regierung in Taipei aus, den Verteidigungsetat zu erhöhen.
Eindringliche Worte fand der ukrainische Abgeordnete Serhii Soboliev, der Teil der Delegation ist. Er zog Parallelen zwischen der Bedrohungslage seines Landes und der Taiwans. Soboliev mahnte die taiwanische Führung und Bevölkerung zu höchster Wachsamkeit gegenüber Peking und warnte aus eigener schmerzhafter Erfahrung davor, den politischen Versprechungen autoritärer Regime Glauben zu schenken. Vize-Außenminister Wu Chih-chung (吳志中) hatte die Gruppe bereits zuvor empfangen und dazu aufgerufen, den Schulterschluss autoritärer Staaten weltweit ernst zu nehmen und gemeinsam demokratische Werte zu verteidigen.