Ungeachtet der fehlenden offiziellen diplomatischen Beziehungen suchen Parlamentarier aus Panama engere Zusammenarbeit mit Taiwan. Eine parteiübergreifende Delegation des panamaischen Parlaments ist derzeit in Taipei zu Gast. Es ist bereits der zweite Besuch dieser Art seit vergangenem November. Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍) wertete die Visite am Donnerstag als starkes Signal für die anhaltende Bedeutung Taiwans für das zentralamerikanische Land. Delegationsleiter Jose Antonio Perez betonte die historische Verbundenheit beider Staaten mit den Worten: „Alte Freunde sind besser als neue Freunde.“
Angeführt wird die Gruppe von dem erst 26-jährigen Jose Antonio Perez Barboni , dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kanalangelegenheiten und Infrastruktur. Perez fungiert zudem als Exekutivsekretär der „Interparlamentarischen Allianz zu China“ (IPAC) in Panama, einem internationalen Bündnis von Abgeordneten, das sich kritisch mit dem Einfluss Pekings auseinandersetzt. Die Delegation setzt sich aus Vertretern von fünf verschiedenen Parteien sowie parteilosen Abgeordneten zusammen. Außenminister Lin betonte in einer Stellungnahme, dass gerade angesichts globaler geopolitischer Verschiebungen eine Zusammenarbeit der beiden an strategischen Seewegen gelegenen Nationen essenziell sei.
Im Zentrum der Gespräche steht die sogenannte „Parlamentsdiplomatie“ als Brücke für wirtschaftliche Kooperationen. Lin erklärte die Absicht, das „Taiwan-Modell“ – ein Entwicklungshilfeprogramm, das Taiwan üblicherweise in Staaten mit offizieller Anerkennung anwendet – auch auf Panama auszuweiten. Ziel sei die Einbindung Panamas in Handelsstrukturen, die unabhängig von chinesischem Einfluss funktionieren. Ein Sprecher des Außenministeriums bekräftigte, man setze auf eine „integrierte Diplomatie“, um durch wirtschaftliche Anreize demokratische Allianzen zu stärken.
Hintergrund der Bemühungen ist der diplomatische Bruch im Jahr 2017, als Panama die offiziellen Beziehungen zur Republik China (Taiwan) zugunsten der Volksrepublik China abbrach. Trotz dieses Schritts seien die wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Verflechtungen laut Lin eng geblieben. Die taiwanische Regierung hofft nun, über die Ebene der Abgeordneten die bilateralen Beziehungen pragmatisch wiederzubeleben und eine Basis für breitere Kooperationen zu schaffen.