In Japan hat die Regierungspartei von Premierministerin Sanae Takaichi eine Zweidrittelmehrheit der Mandate im Unterhaus errungen.
Mit einer Zweidrittel-Mehrheit kann Takaichi nun Verfassungsänderungen vorantreiben und Gesetze verabschieden.
Der Direktor des Indo-Pacific Strategy Thinktank, Akio Yaita, bezeichnete heute auf einem Symposium von Radio Taiwan International den Wahlausgang als historischen Sieg für die Liberaldemokratische Partei (LDP).
Nach Artikel 9 der japanischen Verfassung muss Japan für immer auf den Krieg sowie auf den Einsatz von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten verzichten. Deshalb dürfe Japan keine Land-, See- oder Luftstreitkräfte zur Kriegsführung unterhalten. Aufgrund dieser "Friedensverfassung" sei Japan nie ein politisches Schwergewicht gewesen. Ein wirklicher Staat benötige sowohl wirtschaftliche als auch militärische Mittel, um Außenpolitik zu betreiben; Japan verfüge jedoch über keine militärischen Mittel. Politisch habe Japan daher an vielen wichtigen internationalen Anlässen nicht teilnehmen können.
Er erklärte, dass Takaichi, die der Verteidigung große Bedeutung beimesse, künftig entschlossen handeln und im Bereich der regionalen Sicherheit voraussichtlich die Rolle einer neuen führenden Macht in Asien einnehmen könne.
Akio Yaita wies darauf hin, dass Sanae Takaichi das Parlament nur etwas mehr als drei Monate nach ihrem Amtsantritt aufgelöst habe – ein politisch riskanter Schritt, der sich jedoch ausgezahlt habe. Allein die LDP habe 316 Sitze und damit zwei Drittel aller Mandate im Unterhaus errungen. Dieses Ergebnis übertreffe deutlich die mehr als 290 Sitze, die frühere Premierminister wie Junichirō Koizumi und Shinzō Abe während ihrer Amtszeiten erzielten. Es sei der größte Wahlerfolg der LDP bei Unterhauswahlen in der japanischen Nachkriegsgeschichte.
Nach dem überwältigenden Sieg der Liberaldemokratischen Partei bei der jüngsten Unterhauswahl könne die verteidigungsorientierte Sanae Takaichi jedoch entschlossen handeln und könne eine neue führenden Rolle in Asien einnehmen, so Akio Yaita:
"Bis zu einer Verfassungsänderung ist es zwar noch ein Stück Weg – dafür braucht es auch im Oberhaus eine Zweidrittelmehrheit. De facto kann sie jedoch viele begleitende Gesetze ändern und die Auslegung der Verfassung Schritt für Schritt erweitern, sodass sehr vieles möglich wird. Dass Japan wieder demonstrativ zu einer militärischen und politischen Großmacht zurückkehrt und 80 Jahre nach dem Krieg wieder auf die internationale politische Bühne tritt – ich denke, die Anzeichen dafür werden künftig immer deutlicher werden."
Was die Möglichkeit einer Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Taiwan und Japan betrifft, äußerten sowohl Akio Yaita als auch Hsu Hong-Hsin (徐浤馨), Associate Professor am Institut für Globale Politik und Wirtschaft an der Tamkang-Universitä die Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit weiterhin gering ist.
Yaita wies darauf hin, dass derzeit mehr als zehntausend japanische Unternehmen in China tätig seien und dort Hunderttausende japanische Staatsbürger lebten. Takaichi sei eine sehr pragmatische Politikerin. Angesichts einer irrational handelnden chinesischen Führung werde sie Japanerinnen und Japaner nicht in Gefahr bringen. Sicher sei jedoch, dass Japans politische Linie, Taiwan zu unterstützen – sei es moralisch oder konkret –, sich nicht ändern werde.
Radio Taiwan International veranstaltete heute ein Symposium unter dem Titel "Die Unterhauswahl in Japan – der Beginn der Ära Takaichi". Als Diskussionsgäste waren mehrere Experten und Wissenschaftler eingeladen, darunter der Abgeordnete Chen Kuan-ting (陳冠廷) vom Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten und Landesverteidigung des Parlaments, der Direktor des Indo-Pacific Strategy Thinktank, Akio Yaita, der Vizepräsident der Kainan-Universität und Direktor des Forschungszentrums für nationale und regionale Entwicklung, Associate Prof. Chen Wen-chia (陳文甲), sowie Hsu Hong-Hsin (徐浤馨), Associate Professor am Institut für Globale Politik und Wirtschaft an der Tamkang-Universität. Die Eröffnungsansprache hielt RTI-Intendantin Cheryl Lai (賴秀如), moderiert wurde das Symposium von RTI-Generalmanager Chang Jui-chang (張瑞昌).
Eine Aussage zu Taiwan von Japans Premierministerin Sanae Takaichi im japanischen Parlament am 7. November 2025 hatte Aufmerksamkeit erregt und zu starken Reaktionen aus China geführt. Takaichi sagte auf Fragen im Parlament, dass ein Angriff oder eine Blockade Taiwans durch China eine Situation schaffen könne, die für Japan "existenzbedrohend" sei. In einem solchen Szenario sei möglicherweise Japans Recht auf kollektive Selbstverteidigung gegeben.