Unter dem Leitthema „Under Destruction“ (Im Abbruch) hat am heutigen Freitag die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) im Hotel Bayerischer Hof begonnen. Während rund 70 Staats- und Regierungschefs sowie über 140 Außen- und Verteidigungsminister über den Zerfall der globalen Ordnung beraten, bleibt Taiwan offiziell außen vor. Der Ausschluss Taiwans stößt in Berlin auf Unverständnis: Till Steffen, Bundestagsabgeordneter (Bündnis 90/Die Grünen) und Vorsitzender der Parlamentariergruppe Berlin-Taipei, bezeichnete die Nicht-Einladung als „absurd“. In einer Zeit, in der die regelbasierte Ordnung attackiert werde, müssten mittelgroße und kleine Staaten zusammenstehen, um sich gegen „aggressive Imperialisten“ zu behaupten, so Steffen auf der Plattform X.
Der diesjährige „Munich Security Report“ stützt diese Sorge indirekt. Der Bericht warnt davor, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte Ordnung zunehmend erodiert und durch eine Logik der Machtpolitik und transaktionalen Deals ersetzt wird – eine Entwicklung, die laut den Autoren besonders kleine Staaten zu bloßen Verhandlungsmasse degradieren könnte. Konferenzleiter Wolfgang Ischinger erwartet in den kommenden drei Tagen intensive Debatten darüber, wie demokratische Staaten in diesem Umfeld ihre strategische Autonomie bewahren können.
Steffen selbst war erst vor wenigen Tagen von einer Delegationsreise aus Taiwan zurückgekehrt. Gemeinsam mit Parlamentariern aus Litauen, Estland, Skandinavien und Polen hatte er sich vor Ort unter anderem über Strategien zur Drohnenabwehr ausgetauscht. Der Leiter der Delegation, der litauische Außenpolitiker Žygimantas Pavilionis, hob dabei eine neue Rolle der Bundesrepublik hervor. Angesichts des Rückzugs der USA entwickle sich Deutschland zunehmend zu einem zentralen „Integrator“ für die europäische Sicherheit.