Der Iran-Krieg droht die globale Halbleiterproduktion zu beeinträchtigen. Nach übereinstimmenden Medienberichten haben iranische Drohnenangriffe auf Anlagen des staatlichen katarischen Energiekonzerns QatarEnergy zu einem bereits neuntägigen Produktionsstillstand bei Erdgas und Helium geführt. Da Katar mit einem Anteil von rund einem Drittel der weltweiten Fördermenge der zweitgrößte Heliumproduzent ist, wächst im Tech-Sektor die Sorge vor empfindlichen Lieferengpässen.
Helium ist ein unverzichtbares Edelgas in der Halbleiterfertigung, das vor allem zur Wärmeableitung und in der Lithografie eingesetzt wird. Liu Pei-chen (劉佩真), Direktorin für Industrie- und Wirtschaftsforschung am Taiwanischen Institut für Wirtschaftsforschung (TIER), betonte, dass es für das Gas in diesen Prozessen derzeit keine praktikablen Ersatzstoffe gebe. Ein anhaltender Lieferabriss würde die Produktionslinien der großen Wafer-Fabriken folglich direkt treffen.
Kurzfristig sieht die Expertin die Branche jedoch in weiten Teilen gut gerüstet. Insbesondere große Chip-Auftragsfertiger seien durch langfristige Lieferverträge und Sicherheitsreserven abgesichert. Laut Liu verfügen die Branchenführer in der Regel über Lagerbestände, die einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten abdecken können. Kleinere Produzenten ohne derartige Puffer dürften die Auswirkungen des katarischen Produktionsausfalls hingegen deutlich schneller und härter zu spüren bekommen.
Um die Abhängigkeit von externen Lieferanten und geopolitischen Risiken langfristig zu minimieren, treibt die Halbleiterindustrie den Ausbau interner Recycling-Verfahren voran. Laut Liu erreichen einige Hersteller bei Helium bereits Rückgewinnungsquoten von über 90 Prozent. Angesichts der wachsenden globalen Spannungen sei die Branche zudem gezwungen, die Beschaffung von Schlüsselmaterialien weiter zu diversifizieren, um das Ausfallrisiko einzelner Regionen abzufedern.