Angesichts der wachsenden militärischen Bedrohung durch die Volksrepublik China passt Taiwan seine maritime Sicherheitsstrategie an. Die Meere seien zur vordersten Verteidigungslinie der taiwanischen Demokratie geworden, erklärte Kuan Bi-ling (管碧玲), Vorsitzende der taiwanischen Meereskommission, vor Auslandskorrespondenten. China versuche, das demokratische System der Inselrepublik zu untergraben.
Kuan skizzierte vier strategische Schwerpunkte: Oberste Priorität habe der Ausbau von Frühwarnsystemen. Für die im Südchinesischen Meer gelegene Inselgruppe Dongsha, die zuletzt häufig Ziel chinesischer Störmanöver war, werde derzeit ein neues „Inselverteidigungssystem“ entwickelt. Zudem modernisiere Taiwan dort die Hafeninfrastruktur, um größere Schiffe stationieren zu können.
Zweitens strebe Taipei eine stärkere internationale Vernetzung an, etwa durch eine „gemeinsame Operationsplattform“ mit Partnerländern. Drittens bereite sich Taiwan darauf vor, Schifffahrtsrouten gegen mögliche chinesische Blockaden zu sichern. Viertens müsse der Übergang von Friedens- zu Kriegsstrukturen reibungslos funktionieren.
Neben der militärischen Sicherheit fördert Taiwan die eigene Meeresforschung. Eine neue Forschungsflotte soll verhindern, dass China ein Monopol auf ozeanografische Daten im Indopazifik erlangt. Abschließend forderte die Ministerin die internationale Gemeinschaft auf, konkrete Maßnahmen zur Erhaltung des Status quo zu ergreifen und Taiwan in globale maritime Organisationen einzubinden.