Taiwan steckt in einer "Plastiktütenkrise", denn der Konflikt im Nahen Osten hat die Versorgung mit petrochemischen Rohstoffen gestört. Umweltminister Peng Chi‑ming (彭啓明) sagte heute (8.), der Rohölpreis habe in Dubai zeitweise über 160 US‑Dollar je Barrel gekostet und damit auch die Kunststoffrohstoffe verteuert. In Taiwan sei PVC seit Jahresbeginn um mehr als 64 Prozent gestiegen. Höhere Fracht‑ und Versicherungskosten sowie Mengenrationierungen und Wochenpreise der Lieferanten zeigten die angespannte Lage. Der Engpass bei Plastiktüten unterstreiche die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft.
Gleichzeitig biete die Knappheit die Chance, die Plastikreduzierung zu beschleunigen. Der Pro‑Kopf‑Verbrauch liege in Taiwan bei rund 384 bis 427 Tüten im Jahr, deutlich mehr als in Europa, so Peng. In Großbritannien seien es im Schnitt acht Tüten im Jahr. Das Ministerium startet daher am Jianguo‑Blumenmarkt das Projekt "Tasche zu Tasche": Gebrauchte Taschen werden gesammelt und an Märkte weitergegeben. Wer eigene Beutel mitbringt, erhält 5 NT‑Dollar Rabatt. Schwieriger bleibt die Umstellung bei Marktständen und Nachtmärkten mit vielen flüssigen Speisen und zusätzlicher Nachfrage durch Lieferdienste.
Peng verwies darauf, dass viele Plastikprodukte importiert und teils zu Dumpingpreisen verkauft werden. Ziel sei weniger Neuplastik und mehr recyceltes Material, mittelfristig 20 bis 30 Prozent. Bis 2030 sollen Einwegkunststoffe gegenüber 2024 um 5 Prozent sinken, und zwar in sechs Sektoren (öffentlicher Sektor, Großunternehmen, Einzelhandel, öffentliche Räume, Märkte und Vertriebskanäle) und bei Produktgruppen wie Tüten, Besteck, Bechern, Strohhalmen sowie Verpackungen im stationären und Onlinehandel.