Präsident Lai Ching‑te (賴清德) hat gestern (21.) im Präsidialamt Vertreterinnen und Vertreter von zehn Umwelt‑ und Bürgerorganisationen zum jährlichen "Nationalen NGO‑Umweltgespräch" empfangen. Die Gruppen bekräftigten ihr gemeinsames Ziel eines atomfreien Taiwan und trugen Empfehlungen zur Energie‑ und Umweltpolitik vor.
Nach dem Treffen hielten die Umweltgruppen eine Pressekonferenz ab. Chang Hung‑lin (張宏林), Geschäftsführer der Bürgerallianz zur Überwachung des Kongresses, sagte, der Präsident habe drei Prinzipien für eine mögliche Nutzung der Kernenergie hervorgehoben: gesicherte Nuklearsicherheit, eine Lösung für Atommüll und gesellschaftlichen Konsens. Ein Neustart von Kernkraftwerken befinde sich in der Prüfung. Zugleich habe Lai auf neue Rahmenbedingungen verwiesen wie etwa Geopolitik, Bedrohung durch China und wachsenden Strombedarf durch KI und entsprechend angeregt, die Rolle der Kernenergie neu zu bedenken.
Präsidial-Politikberater Shih Shin‑min (施信民) regte an, Laufzeitverlängerungen einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen, woraufhin Umweltminister Peng Chi‑ming (彭啓明) entgegnete, das Gesetz sehe dies derzeit nicht vor, die Ressorts würden jedoch mit der Aufsicht für Nuklearsicherheit beraten. Ho Tsung‑hsun (何宗勳), Organisator der Kommunikationsplattform für die Agenda der Umweltkonferenz, verwies auf die jüngste parteiinterne Umfrage, nach der rund 60 Prozent der Bevölkerung Atomkraft befürworteten. He fasste zusammen, dass angesichts der boomenden KI-Branche und steigendem Strombedarf, Umweltgruppen eine neue Strategie und einen neuen Diskurs etablieren müssen. Dies sei auch nötig vor dem Hintergrund, dass die Entwicklung von Ökostrom in Taiwan nicht so reibungslos verläuft wie erwartet und Umweltgruppen sowohl Erdgas als auch Kohle ablehnen.