Die Vorsitzende der größten taiwanischen Oppositionspartei Kuomintang (KMT), Cheng Li-wun (鄭麗文), bemüht sich um ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump während einer für den kommenden Monat geplanten Reise in die Vereinigten Staaten. Wie aus Medienberichten vom Donnerstag hervorgeht, räumte Cheng ein, dass ein solches Vorhaben schwer zu realisieren sei. Ein Austausch mit Trump sei jedoch erstrebenswert und entspreche den Zielen der KMT, sofern er der Friedenssicherung diene.
Der Vorstoß folgt auf eine Reise Chengs nach China im vergangenen Monat. Dort hatte sie den chinesischen Staatschef Xi Jinping (習近平) getroffen. Es war der erste Besuch einer amtierenden KMT-Führungskraft in der Volksrepublik seit einem Jahrzehnt. Während hochrangige Kontakte zwischen Taiwan und den USA häufig scharfe Kritik von chinesischer Seite auslösen, zeigte sich Cheng zuversichtlich, dass Xi Jinping ihre geplante US-Reise billigen werde.
US-Präsident Trump wird seinerseits vom 14. bis 15. Mai zu einem Gipfeltreffen mit Xi in Peking erwartet, bei dem Taiwan ein wichtiges Thema sein könnte. Erst am Donnerstag hatte der chinesische Außenminister Wang Yi (王毅) in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio betont, dass Taiwan weiterhin das „größte Risiko“ in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen darstelle.
Im Vorfeld des amerikanisch-chinesischen Gipfels forderte Cheng implizit eine Verschiebung der bisherigen US-Rhetorik. Bislang lautet die offizielle Linie Washingtons, eine formelle Unabhängigkeit Taiwans lediglich „nicht zu unterstützen“, um den diplomatischen Status quo zu wahren. Cheng sagte nun, sollte Trump bei seinem Treffen mit Xi erklären, dass er eine Unabhängigkeit Taiwans explizit ablehne, decke sich dies exakt mit der Position der KMT. Eine solch klare Haltung, die Peking entgegenkäme, könne laut der Parteichefin helfen, weiteres Vertrauen zu China aufzubauen. Sobald eine formelle Unabhängigkeit keine Option mehr sei, würden sich die Beziehungen über die Taiwanstraße rasch verbessern.