Der taiwanische Vize-Außenminister Francois Wu (吳志中) hat am Mittwoch (6. Mai) vor Abgeordneten des europäischen Parlamentes erklärt, wie China versuche, die globale Ordnung neu zu definieren und Taiwans Teilnahme an internationalen Organisationen zu verhindern.
Gegenüber der taiwanischen Nachrichtenagentur CNA sagte Wu, er sei vom Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung (SEDE) eingeladen worden, im Europäischen Parlament zu sprechen. Es handele sich wohl um das erste Mal, dass ein taiwanischer Vizeminister offiziell vor dem europäischen Parlament sprach. Die groß angelegte Veranstaltung zeige, dass Taiwan zunehmend an Bedeutung gewinne.
In seiner Rede habe er darüber gesprochen, wie China aktuell versuche, die globale Ordnung neu zu definieren. Dies habe er aus drei Perspektiven verdeutlicht.
Zum einen fordere China, dass die Teilnahme Taiwans an internationalen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zustimmung Chinas bedürfe. Dies zeige, dass China in der Lage sei, internationale Organisationen zu kontrollieren.
Der zweite Punkt sei, dass Schiffe, die die Taiwanstraße durchqueren, oftmals von China belästigt würden. Die Botschaft dieser Aktion sei, "wer nicht belästigt werden will, muss erst [Chinas] Zustimmung einholen”.
Als Präsident Lai einen diplomatischen Partner besuchen wollte, habe China es geschafft, afrikanische Länder dazu zu bringen, bereits erteilte Fluggenehmigungen zurückzuziehen. Ein solches Verhalten beeinträchtige die internationale Ordnung, die auf dem Grundsatz der freien Schifffahrt und des freien Flugverkehrs basiere, so Vize-Außenminister Wu weiter.
Im Zuge seiner Rede hätten viele Parlamentarier Fragen gestellt, was die wachsende Bedeutung Taiwans in den Augen Europas zeige. Die Parlamentarier hätten auch Interesse gezeigt an Themen wie taiwanischen Rüstungskäufen und Selbstverteidigungskapazitäten. Das habe Wu dazu veranlasst, zu erklären, dass Umfragen zufolge über 60% der Taiwaner mit Rüstungskäufen einverstanden seien.
Darüber hinaus analysierte Wu, dass Europa und Taiwan viele wichtige gemeinsame Interessen hätten. Taiwan müsste Europa zeigen, dass man ein Kerninteresse Europas sei, so wie man auch ein Kerninteresse Japans und der USA sei. Sobald man zu einem Kerninteresse der internationalen Gemeinschaft werde, würden diese alles in ihrer Macht Stehende tun, um dieses Interesse zu verteidigen. Es sei äußerst wichtig, diese Botschaft zu vermitteln.
Im November 2025 hatte auch die taiwanische Vizepräsidentin Bi-khim Hsiao (蕭美琴) im Europäischen Parlament in Brüssel eine Rede gehalten.