Der International Booker Prize hat am 19. Mai abends in London (20. Mai früh in Taiwan) den Sieger bekanntgegeben: Die taiwanische Autorin Yang Shuang‑zi (楊双子) erhält gemeinsam mit der Übersetzerin Jin Ling (金翎) den Hauptpreis für den Roman "臺灣漫遊錄" (Táiwān mànyóu lù), auf englisch "Taiwan Travelogue", auf deutsch etwa "Reisebericht Taiwan". Es ist das erste Mal, dass ein Werk aus Taiwan den Hauptpreis gewinnt. Das Preisgeld von 50.000 Pfund (etwa 2 Millionen Taiwan-Dollar) geht zu gleichen Teilen an Autorin und Übersetzerin. Beide nahmen die Auszeichnung persönlich entgegen.
Präsident Lai Ching‑te (賴清德) würdigte heute in einem Facebook-Post, die Preisrede habe gezeigt, wie Literatur trotz kolonialer Vergangenheit und aktueller Bedrohungen Kraft entfaltet und Taiwans Stimme in die Welt trägt. Auch Kulturminister Li Yuan (李遠) schreibt in einem Facebook-Post von einem besonderen Tag für die Kulturszene. Die Übersetzerin kündigte an, Taiwans Geschichten weiter in die englischsprachige Welt zu bringen.
Der Verlag Chunshan Publishing (春山出版) meldete, dass "臺灣漫遊錄" Lizenzen in 24 Länder verkauft hat und sich in Taiwan über 40.000 Mal sowie auch in Japan, den USA und Großbritannien jeweils fünfstellig verkauft. Geplant sind Adaptionen als Comic, Musical und internationale Serie. Taiwans stellvertretende Repräsentantin in London, Chiang Ya-chi (江雅綺), sagte, der Preis werde mehr Menschen über Literatur, Küche und Kultur an Taiwan heranführen.
Sendungshinweis:
Im Kulturpanorama hat Benedikt Karin Betz, die Übersetzerin der deutschsprachigen Fassung von "臺灣漫遊錄", interviewt.