Bei der 79. Weltgesundheitsversammlung in Genf, die am 18. Mai begonnen hat, gab es am 19. in der Generaldebatte breite Unterstützung für Taiwans Einbindung. Nach Angaben des taiwanischen Außenministeriums sprachen sich in ihren Reden 16 gleichgesinnte Partner wie die EU, Deutschland, Luxemburg, Japan, Australien, Frankreich, Litauen, das Vereinigte Königreich, Lettland, Tschechien, Kanada, Israel, Schweden, Neuseeland, die Niederlande und Estland für eine stärkere Beteiligung Taiwans aus. Zehn diplomatische Verbündete, darunter die Marshallinseln, Guatemala, Palau, Haiti, Paraguay, St. Vincent, St. Lucia, Eswatini, St. Kitts und Nevis sowie Tuvalu, setzten sich ebenfalls für Taiwan ein. Mehrere dieser Staaten warnten, die Fehlinterpretation der UN‑Resolution 2758 und des WHA‑Beschlusses 25.1 dürfe nicht zur Ausgrenzung Taiwans führen, da dies die globale Gesundheitssicherheit schwäche.
Für die EU sprach Zyperns Gesundheitsminister Neophytos Charalambides, der "Niemanden zurücklassen" als Motto betonte. Aus den Verbündeten nannte Palau besonders deutlich die Problematik der fehlenden Einladung. Vizepräsident Raynold Oilouch plädierte für einen Beobachterstatus Taiwans. Paraguay verwies auf erfolgreiche Gesundheitsprojekte mit taiwanischer Unterstützung und regte an, Taiwan in technische WHO‑Formate einzubinden. St. Vincent hob die in Genf ausgerichtete "Taiwan Smart Health and Industry Expo" hervor und sah darin den Beleg, dass Taiwan fachlich bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.
Zusätzlich warb Taiwans Vertreter in Japan, Lee Yi-yang (李逸洋), in einem Gastbeitrag für die japanische Zeitung Sankei Shimbun für eine engere Taiwan‑Japan‑Kooperation bei der medizinischen digitalen Transformation. Er erklärte, digitale Medizin helfe Personalengpässe und Kosten zu bewältigen, Taiwan habe mit Big Data, KI und Cloud bereits elektronische Akten, KI‑Risikoprognosen, E‑Rezepte und Telemedizin aufgebaut und so die Versorgung auch außerhalb der Städte verbessert. Er rief Japan und die internationale Gemeinschaft auf, Taiwans sinnvolle Teilnahme an WHO und WHA zu unterstützen, da das taiwanische Modell der WHO‑Zielsetzung der "Universal Health Coverage" zugutekomme.
Am Rande der WHA‑Woche kam es in Genf zu einem Anti-Taiwan-Zwischenfall: Bei einem von europäischen Taiwan‑Gruppen organisierten Solidaritäts‑Marsch am 17. Mai wurden Teilnehmende von Mitarbeitenden der WHO‑Veranstaltung angewiesen, T‑Shirts mit der Aufschrift "Taiwan" zu verdecken oder gegen offizielle WHO-Shirts zu tauschen. Das schilderte unter anderem die in Frankreich lebende Taiwanerin Dan Chuang (莊丹琪). Der Solidaritätslauf war zuvor von den Behörden genehmigt worden.