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"Ihr seid nicht allein": Tschechischer Senatspräsident ermutigt Taiwan, die Demokratie weiter zu verteidigen

02/06/2026 21:02
Redaktion: RTI Deutsch
Der Senatspräsident der Tschechischen Republik, Miloš Vystrčil, gibt RTI ein Interview (Foto: RTI)
Der Senatspräsident der Tschechischen Republik, Miloš Vystrčil, gibt RTI ein Interview (Foto: RTI)

Der Präsident des tschechischen Senats, Miloš Vystrčil, hat Taiwan als eine "Inspiration" bezeichnet und die Menschen in Taiwan dazu aufgerufen, die Verteidigung ihrer Freiheit und Demokratie nicht aufzugeben. Zudem betonte er, dass demokratische Staaten gegen autoritären Druck zusammenstehen müssten. Vystrčil machte diese Aussagen heute bei einem Interview mit Radio Taiwan International.

Vystrčil sagte: "Die Botschaft, die ich den Menschen in Taiwan vermitteln möchte, lautet: Gebt nicht auf. Schützt eure Freiheit und Demokratie. Ihr seid nicht allein. Wir stehen an eurer Seite".

Vystrčil erklärte, die Beziehungen zwischen Taiwan und Tschechien hätten nicht erst mit seinem Taiwan-Besuch im Jahr 2020 begonnen, als er damals vor dem Parlament gesprochen und seine Solidarität zum Ausdruck gebracht habe, indem er auf Chinesisch die Worte sagte: "Ich bin Taiwaner."

"Zunächst möchte ich betonen, dass die Beziehungen zwischen Taiwan und Tschechien bereits auf eine mehr als 30-jährige Geschichte zurückreichen", so Vystrčil. Die bilaterale Zusammenarbeit habe sich in den vergangenen Jahren weiter vertieft. Als Beispiele nannte er Direktflüge zwischen Prag und Taipei, Kooperationsprogramme zwischen Universitäten, wissenschaftliche Forschung sowie Stipendienprogramme für Studierende.

Auch seien Werte ein zentraler Bestandteil der Beziehungen zwischen Taiwan und Tschechien, betonte er. Die Botschaft, die er allen vermitteln möchte, laute, dass demokratische Länder zusammenstehen müssen. 

Taiwans Bemühungen, sich gegen Druck zu behaupten, seien eine Inspiration, erklärte Vystrčil. Er hoffe, dass dies auch für die ganze Welt eine Inspiration und Ermutigung sei.

Auf die Frage, ob ranghohe Besuche in Taiwan Auswirkungen auf tschechische Wirtschaftsinteressen in China haben könnten, sagte Vystrčil, Tschechien solle zu vielen Ländern – darunter Taiwan und China – Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen pflegen. Solche Beziehungen müssten jedoch auf Gleichberechtigung beruhen.

China sei zwar ein großes Land, doch Beziehungen dürften nicht an Vorbedingungen geknüpft werden. Würde Peking wegen seines Besuchs in Taiwan die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen abbrechen, könne Tschechien dies nicht akzeptieren, da es das Land zu einem "Lakeien" machen würde. 

Zugleich äußerte er sich optimistisch hinsichtlich der Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Taiwan und Tschechien und verwies auf die Wirtschaftsdelegation, die ihn bei seinem Besuch begleitet.

Auf die Frage, ob die Reise konkrete wirtschaftliche Ergebnisse hervorbringen könne, betonte Vystrčil, dass Wirtschaftsabkommen oft Zeit benötigten. Die Gespräche über Direktflüge zwischen Prag und Taipei hätten 2020 begonnen und es habe rund zwei Jahre bis zur Umsetzung gedauert. Auch größere taiwanische Investitionen in Tschechien hätten etwa zwei bis vier Jahre benötigt, bis sie verwirklicht worden seien.

Zur internationalen Beteiligung Taiwans sagte Vystrčil, er sei stolz darauf, dass das tschechische Parlament jedes Jahr Resolutionen verabschiede, die eine sinnvolle Beteiligung Taiwans an internationalen Organisationen unterstützen.

Taiwans Ausschluss aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch während der COVID-19-Pandemie sei "ein sehr großer Fehler" gewesen. Auch der Ausschluss Taiwans von Interpol sei nicht nachvollziehbar, da Staaten bei der Bekämpfung von Kriminalität zusammenarbeiten müssten, fügte er hinzu.

Demokratien sollten verhindern, dass die Resolution 2758 der Generalversammlung der Vereinten Nationen falsch ausgelegt werde, sagte Vystrčil. Kein Land dürfe den Status quo einseitig verändern. Taiwan habe seinen eigenen Präsidenten, seine eigene Regierung und sein eigenes Parlament.

Der derzeitige tschechische Premierminister Andrej Babiš bevorzugt eine pragmatischere China-Politik und hatte Kritik an der Reise Vystrčils nach Taiwan geübt. Vystrčil erklärte jedoch, die Senatorinnen und Senatoren hätten sowohl seine Taiwan-Reise im Jahr 2020 als auch seinen Besuch im Jahr 2026 unterstützt und unterstützten auch die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen Tschechien und Taiwan.

Der Senatspräsident traf Montagmorgen mit einer Delegation aus Vertretern von Wirtschaft, Hochschulen und Kultur in Taiwan ein. Gestern hatte Vystrčil das Parlament besucht. Vystrčil traf vor dem Interview mit RTI heute mit Taiwans Präsidenten Lai Ching-te (賴清德) zusammen. Lai verlieh Vystrčil dabei eine Auszeichnung für seine langjährige Unterstützung Taiwans, seine Verdienste um die Beziehungen zwischen Taiwan und Tschechien sowie seinen Einsatz für die Verteidigung der Demokratie weltweit. 

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