Die Vorsitzende der Kuomintang, Cheng Li‑wun (鄭麗文), ist am 1. Juni zu einer zweiwöchigen USA‑Reise aufgebrochen. Erste Station ist San Francisco. Nach Angaben der KMT besuchte sie am 3. Juni (Taipei‑Zeit) das Hoover‑Institut an der Stanford‑Universität zu einem Gespräch mit Forschenden. Geplant sind weitere Treffen mit Mitgliedern des US‑Kongresses, Regierungsstellen, Denkfabriken sowie Austausch mit der taiwanischen Diaspora.
Cheng erklärte, die strategische Landschaft Ostasiens unterliege einem tiefgreifenden Wandel: Die Zusammenarbeit zwischen den USA und China, die Abkühlung der Beziehungen zwischen den beiden Seiten der Taiwanstraße und die Stabilisierung der Beziehungen zwischen China und Japan würden zusammen eine neue Situation in Ostasien schaffen. Taiwan solle bei der ersten Inselkette beginnen und seine Kriegsängste in eine treibende Kraft für den Aufbau von Frieden umwandeln. Strategisch setze sie auf eine "KI‑Verteidigungsstrategie", eine Vertiefung der Taiwan‑USA‑Zusammenarbeit und auf eine US‑China‑Kooperation jenseits des Nullsummen‑Denkens mit Technologie und Wirtschaft als Doppel‑Motor.
Sie erläuterte ihre Besuchsreihenfolge "erst China, dann USA" und verwies darauf, dass es entscheidend war, zuerst Xi Jinping (習近平) zu besuchen, um sich von seinem guten Willen und Aufrichtigkeit zu überzeugen. Nur dann würde ihr Besuch in den USA eine Bedeutung erhalten. Cheng erklärte, dass der Frieden in der Taiwanstrasse nicht allein aus der Perspektive beider Seiten betrachtet werden könne, denn ein solcher Frieden sei weder nachhaltig noch stabil. Die USA müssten in die strategische Planung einbezogen werden. Sie hoffe auf eine Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den USA und China und sagte: "Das ist die wichtigste Botschaft, die ich den Vereinigten Staaten überbracht habe."
Nach Terminen mit Tech‑Vertretern und der Gemeinschaft vor Ort will Cheng nach Taiwan zurückkehren und sich voll den kommenden Wahlkämpfen widmen. Das Jahr 2028 sehe sie als politisch entscheidend, denn nur durch die Rückgewinnung der Macht könne Frieden zwischen den beiden Seiten der Taiwanstraße erreicht werden, so Cheng.