Während ihres USA-Besuchs hat die KMT-Vorsitzende Cheng Li-wun (鄭麗文) bei einer Veranstaltung der Asia Society in New York erklärt, ein Referendum über eine friedliche Vereinigung sei in Taiwan derzeit nur schwer vorstellbar, denn die Differenzen zwischen den beiden Seiten der Taiwanstraße bestünden seit über einem Jahrhundert. Sie glaube jedoch, dass die Mehrheit der Taiwaner den Dialog und den Austausch zwischen den beiden Seiten befürworte. Solange es nicht zu einer dauerhaften Teilung komme, bestehe ausreichend Raum und Zeit, um die Differenzen im Dialog beizulegen und weitere Austauschmechanismen zu etablieren, argumentiert sie.
Darauf hat heute (10.) der Generalsekretär des Kabinetts, Chang Tun-han (張惇涵), im Parlament reagiert. Er sagte, die Linie der DPP-Regierung sei weiter ein Kurs ohne Unterwürfigkeit und ohne Provokation, verbunden mit der Wahrung des Status quo. Das entspreche auch der Erwartung und dem Konsens der großen Mehrheit in Taiwan. Chang erklärte weiter, diese Linie gelte durchgehend von der früheren Präsidentin Tsai Ing-wen (蔡英文) bis zum heutigen Präsidenten Lai Ching-te.
Mit Blick auf die jüngsten chinesischen Aktivitäten rund um Taiwan sagte Chang, China habe kein Recht, in Taiwans ausschließlicher Wirtschaftszone die freie Schifffahrt zu stören. Solche Schritte verletzten aus Sicht der Regierung Taiwans Souveränität und verstießen gegen internationales Recht. Taiwanische Marine und Küstenwache beobachteten die Lage genau. Zugleich rief Chang die Parteien im Parlament dazu auf, die Haushaltsmittel für Militär und Küstenwache mitzutragen, um die Sicherheit des Landes zu stärken.
Das zweistündige Gespräch mit KMT-Vorsitzender Cheng Li-wun mit der Asia Society gibt es hier als Video: https://asiasociety.org/video/two-party-problem-conversation-kmt-chairwoman-cheng-li-wun