Nach dem Eindringen chinesischer Schiffe in Gewässer östlich von Taiwan am 6. Juni hat das US-Außenministerium gestern (9.) Peking aufgefordert, den Druck auf Taiwan zu beenden. Nach Angaben der taiwanischen Küstenwache hatten sich fünf chinesische Schiffe unter dem Vorwand für Verhandlungen zwischen Japan und den Philippinen über die ausschließliche Wirtschaftszone in das Seegebiet begeben. Taiwan setzte daraufhin frühzeitig eigene Schiffe ein und begleitete die Einheiten auf ihrem gesamten Kurs.
Die Küstenwache teilte weiter mit, die chinesischen Schiffe hätten das Gebiet inzwischen wieder verlassen. Gleichzeitig hätten die chinesischen Schiffe jedoch drei Handelsschiffe per Funk zu deren Ein- und Ausfahrt in Häfen befragt und dabei den Eindruck erweckt, die Kontrolle darüber zu haben. Ein Sprecher des US-Außenministerium erklärte auf Nachfrage von CNA, Washington unterstütze seine Verbündeten Japan und die Philippinen und fordere Peking auf, Streitfragen friedlich zu lösen. Außerdem solle China den militärischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Taiwan beenden und stattdessen einen sinnvollen Dialog mit der demokratisch gewählten Führung in Taipei suchen.
Der China-Experte Craig Singleton von der Foundation for Defense of Democracies sagte, Peking setze immer stärker auf sogenannte Grauzonen-Taktiken unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges. Dazu zählten nicht nur Einsätze auf See und in der Luft, sondern auch Cyberangriffe, Desinformation und Druck auf kritische Infrastruktur. Ziel sei es, die gesellschaftliche Widerstandskraft Taiwans zu schwächen. Nach seiner Einschätzung ist das eines der wichtigsten Ziele Chinas bis zur nächsten Präsidentenwahl in Taiwan im Jahr 2028.