Forscher der Taiwanischen Nationaluniversität (NTU) und des Frankfurter Senckenberg Forschungsinstituts haben eine bislang unbekannte, prähistorische Vogelart in Taiwan identifiziert. Der neu entdeckte Pfau aus dem Pleistozän (Eiszeitalter) war deutlich größer als alle heute auf der Insel heimischen Vögel. Die im britischen Fachmagazin Royal Society Open Science publizierte Studie gibt der Art den offiziellen Namen Pavo miejue („Ausgestorbener Pfau“).
Grundlage der am Freitag von der Nachrichtenagentur CNA vermeldeten Entdeckung ist ein gut erhaltener fossiler Oberarmknochen, den der pensionierte Lehrer Hou Li-jen (侯立仁) der Wissenschaft gestiftet hatte. Unter der Leitung von NTU-Professor Tsai Cheng-hsiu (蔡政修) wertete der Student und Erstautor der Studie, Lan Yung-chieh (藍詠傑), den Fund gemeinsam mit dem deutschen Paläornithologen Dr. Gerald Mayr aus.
Mit dem Namenszusatz miejue (chinesisch für „ausgestorben“) wollen die Wissenschaftler auf historische Aussterbeereignisse aufmerksam machen. Bislang galt der Mikadofasan, der unter anderem den 1000-Taiwan-Dollar-Schein ziert, als der größte bekannte endemische Vogel Taiwans. Das Forschungsteam betont, dass ein tiefes Verständnis für prähistorisches Artensterben essenziell sei, um das gegenwärtige, durch menschliche Eingriffe vorangetriebene „sechste Massenaussterben“ in einem größeren ökologischen Kontext begreifen zu können.