Das Industrietechnologische Forschungsinstitut (ITRI) hat am Freitag das 30-jährige Bestehen seines Europa-Büros in Berlin gefeiert.
Der Vorsitzende von ITRI, Wu Tsung-Tsong (吳政忠), bezeichnete in seiner Rede die Eröffnung des Europa-Büros in Deutschland vor 30 Jahren als eine wichtige Entscheidung für die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen Taiwan und Europa. In den vergangenen drei Jahrzehnten habe sich die Kooperation von einer einseitigen Suche nach Technologien hin zu einer Partnerschaft für gemeinsame Innovation und gemeinsame Forschung entwickelt. Künftig werde ITRI die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern in Bereichen wie digitaler Transformation, nachhaltiger Entwicklung, Künstlicher Intelligenz und Robotik weiter ausbauen.
Der Repräsentant der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Klement Gu Ruey-sheng (谷瑞生), sagte in seiner Rede, das Europa-Büro des ITRI habe in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich internationale Kooperationen gefördert und eine wichtige Brückenfunktion zwischen Taiwan und Europa übernommen. Als wichtigste industrietechnologische Forschungs- und Entwicklungseinrichtung Taiwans vereine das ITRI mehr als 6.000 Experten in Forschung und Entwicklung. ITRI sei nicht nur eine zentrale "Keimzelle" für Unternehmen wie TSMC in der Halbleiterindustrie, sondern unterstütze auch seit Langem die Überführung von Innovationen aus dem Labor in den Markt und zeige damit eindrucksvoll Taiwans Stärke in Innovation und industrieller Anwendung.
Gu betonte, dass Taiwan in den vergangenen Jahren seine Abhängigkeit vom chinesischen Markt aktiv reduziert habe und dennoch ein stabiles Wachstum verzeichne. Dies könne für gleichgesinnte Partner wertvolle Erfahrungen im Bereich "De-Risking" bieten. Angesichts der globalen Herausforderungen bei der Umstrukturierung von Lieferketten und der Netto-Null-Transformation seien Taiwan, Deutschland und Europa natürliche und unverzichtbare Partner. Künftige Kooperationen könnten insbesondere in Bereichen wie Klimaneutralität, intelligente Automatisierung und Spitzentechnologien weiter vertieft werden, um zusätzlichen Mehrwert für die Industrien beider Seiten zu schaffen.
Wie die taiwanische Nachrichtenagengur CNA berichtete, nahmen an der Feier mehr als 120 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft teil, darunter auch die ehemalige deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger. Stark-Watzinger sagte in ihrer Ansprache, Taiwan sei ein Vorbild für eine resiliente freie Demokratie. Die Entwicklung seiner Halbleiterindustrie gehöre zu den bemerkenswertesten industriepolitischen Erfolgsgeschichten des 20. Jahrhunderts. Die Entscheidung von TSMC, in Deutschland zu investieren, sei ein gutes Beispiel für die gegenseitige Unterstützung gleichgesinnter Partner. Sie rief Deutschland und Europa zudem dazu auf, im eigenen Interesse den Austausch und die Zusammenarbeit mit Taiwan zu intensivieren.
Bettina Stark-Watzinger hatte 2023 mit einer Delegation Taiwan besucht.
Taiwans Repräsentant in Deutschland und der ITRI-Vorsitzende wohnten außerdem gemeinsam der Unterzeichnung einer weiteren fünfjährigen Kooperationsvereinbarung zwischen dem ITRI und der Fraunhofer-Gesellschaft bei. Beide Einrichtungen arbeiten bereits seit 1992 zusammen. Die neue Vereinbarung baut auf bestehenden Kooperationen in den Bereichen Gesundheitswesen, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie erneuerbare Energie auf und erweitert diese auf weitere Bereiche, darunter Künstliche Intelligenz und Robotik. Die Zusammenarbeit steht nicht nur für langfristiges Vertrauen und Kontinuität, sondern auch für das gemeinsame Ziel beider Seiten, anwendungsorientierte Forschung voranzutreiben und Innovationen stärker an Industrie und gesellschaftliche Bedürfnisse heranzuführen.