Auf dem „Taiwan International Ocean Forum“ (TIOF) 2026 in Taipei hat die Regierung vor einer schleichenden Veränderung des Status quo im Indopazifik durch China gewarnt. Kuan Bi-ling (管碧玲), Vorsitzende der taiwanischen Meereskommission, rief die demokratische Staatengemeinschaft am heutigen Mittwoch dazu auf, gemeinsame Koordinations- und Frühwarnmechanismen zu etablieren, um Pekings wachsendem Druck geeint zu begegnen.
In ihrer Rede betonte Kuan, dass die Staaten der sogenannten Ersten Inselkette, einer strategischen Verteidigungslinie, die von Japan über Taiwan bis zu den Philippinen reicht, einem stetig zunehmenden Druck durch China ausgesetzt seien. Dabei handele es sich um langfristig angelegte Aktionen, die bewusst unterhalb der Schwelle einer klassischen militärischen Auseinandersetzung bleiben.
Die größte Gefahr dieser „Grauzonen“-Taktik liege in der schleichenden Gewöhnung. Da der Status quo nicht durch eine einmalige militärische Eskalation, sondern in kleinen, alltäglichen Schritten verschoben werde, sei es für die internationale Gemeinschaft immer schwieriger zu definieren, wann genau die Grenze überschritten sei. Ziel der Demokratien müsse es sein, durch frühzeitige Erkennung einen „demokratischen Wellenbrecher“ gegen diese Entwicklung zu bilden.
Das diesjährige Forum steht unter dem Leitthema „Maritime Resilienz“. Daran nehmen Experten aus 16 Ländern teil, darunter aus den USA, Japan, Großbritannien und Frankreich. Im Fokus der Veranstaltung stehen die Sicherheit im Indopazifik, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Küstenwachen, nachhaltige Meeresnutzung und Zukunftstechnologien. Ein erklärtes Ziel des Forums ist es, dem Vorgehen und den maritimen Narrativen der Volksrepublik China auf Grundlage des Völkerrechts Fakten entgegenzusetzen.
Lii Wen (李問), stellvertretender Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates (NSC), unterstrich auf dem Forum die geopolitische Bedeutung der Region. Taiwan bilde nicht nur die Frontlinie der Ersten Inselkette, sondern die Taiwanstraße sei auch eine der wichtigsten Lebensadern für den internationalen Handel. Er bekräftigte, dass Taipei weiterhin eng mit seinen globalen Partnern kooperieren werde, um freie, offene und nachhaltige Seewege zu gewährleisten.