Taiwans Streitkräfte halten von kommendem Montag bis Freitag (13. bis 17. Juli) erstmals ein sogenanntes Gemeinsames Verteidigungsmanöver ab. Nach Angaben aus Militärkreisen wird dabei das Szenario einer auslaufenden gegnerischen Flotte simuliert. Im Mittelpunkt stehen das Zusammenwirken von Heer, Marine und Luftwaffe sowie eine dezentrale Führung der Einsatzkräfte. Die Übung gilt als wichtige Vorbereitung auf das große Han-Kuang-Manöver, das vom 5. bis 14. August folgt.
Hintergrund ist der wachsende militärische Druck aus der Volksrepublik China. Die chinesische Volksbefreiungsarmee dringt seit Jahren mit Flugzeugen und Schiffen in den Luft- und Seeraum rund um die Insel vor, überschreitet immer wieder die Mittellinie der Taiwanstraße und hält in der Region Manöver ab. Taiwan reagiert mit eigener Rüstungsproduktion, Zukäufen im Ausland sowie verstärkter Ausbildung.
Das jetzige Manöver ist Teil einer Reihe größerer Übungen. Bereits vom 22. bis 26. Juni fand eine Übung zur unmittelbaren Gefechtsbereitschaft statt; sie konzentrierte sich darauf, wie die Truppe rasch reagiert, wenn China erste Schritte unternimmt, der Gegner aber noch nicht ausgelaufen ist. Das Manöver in der kommenden Woche setzt einen Schritt später an: Es simuliert, dass eine gegnerische Flotte entdeckt wird und in taiwanische Hoheitsgewässer eindringt.
Nach Angaben aus Militärkreisen hat Taiwan seinen gemeinsamen Einsatzplan überarbeitet und dabei unter anderem zusätzliche Alarmstufen sowie Konzepte zur Abwehr von Landungen und zur Verteidigung in der Tiefe aufgenommen.