Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍) hat nach eigenen Angaben im Juni Deutschland besucht. Lin schrieb in einem Facebook-Eintrag, aus Anlass des 39. Jahrestages der Aufhebung des Kriegsrechts in diesem Jahr in Taiwan denke er an seinen Deutschlandbesuch im vergangenen Monat zurück.
Er habe die Berliner Mauer besucht, die einst die Konfrontation des Kalten Krieges symbolisierte. Außerdem habe er die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besichtigt, das ehemalige Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (Stasi), in dem politische Gefangene inhaftiert wurden.
In der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen habe ihn Sebastian Körner, Angehöriger einer politisch verfolgten Familie, durch die Ausstellung geführt. Während der Führung hätten sie auch über die Geschichte der politischen Verfolgung während des Weißen Terrors in Taiwan sowie über die fortlaufenden Bemühungen um die Aufarbeitung der Vergangenheit gesprochen. Er habe Sebastian Körner empfohlen, den Film "A Foggy Tale" (大濛) anzusehen, um die Leiden der taiwanischen Bevölkerung während des Kriegsrechts besser zu verstehen.
Nicht lange nach seiner Rückkehr nach Taiwan habe er einen Brief von Sebastian Körner erhalten. Darin habe dieser geschrieben, dass er sich inzwischen näher mit Taiwan beschäftigt habe. Dabei habe er festgestellt, dass die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ebenso wie das Nationale Menschenrechtsmuseum – Gedenkstätte Weißer Terror in Jingmei sowie der Gedenkpark für den Weißen Terror auf der Grünen Insel eine ähnliche Aufgabe erfüllten: ehemalige Orte des Unrechts in Stätten der Erinnerung, der Wahrheitsfindung und der Menschenrechtsbildung zu verwandeln.
Außenminister Lin schrieb, er hoffe, in Zukunft Herrn Sebastian Körner nach Taiwan einladen zu können, um den Austausch über Menschenrechtsbildung und Vergangenheitsaufarbeitung fortzuführen.
Deutschland und Taiwan hätten unterschiedliche Erfahrungen mit autoritärer Herrschaft gemacht, teilten jedoch dieselbe Erkenntnis: Nur wenn die Wahrheit ans Licht komme, den Opfern ihre Würde zurückgegeben werde und die Geschichte Teil der Menschenrechtsbildung der nächsten Generation werde, könne die Demokratie dauerhaft Bestand haben und die mühsam errungene Freiheit von Generation zu Generation weitergegeben werden, so Lin in seinem gestern veröffentlichten Facebook-Eintrag.
Lin hatte im Juni Polen und Italien besucht.