Nach einem Bericht von RTI vom 11. August unter Berufung auf den chinesischsprachigen Bericht der Deutschen Welle und Daten des European Council on Foreign Relations, kurz ECFR, blicken viele Menschen in Deutschland zunehmend kritisch auf China. In einer ECFR-Umfrage sehen 40 Prozent der Befragten in Deutschland China als Wettbewerber, weitere 9 Prozent als Gegner in einem Konflikt. Damit ist die Skepsis in Deutschland stärker ausgeprägt als etwa in Spanien oder Italien. Ein ECFR-Kommentar vom 6. August mit dem Titel "Trust the numbers: Germans are open to a more hawkish China policy" kommt außerdem zu dem Schluss, dass viele Deutsche sowohl eine härtere China-Politik als auch mehr Investitionen in europäische Zukunftstechnologien unterstützen, damit neue wirtschaftliche Abhängigkeiten von China verringert werden.
Die ECFR-Autorinnen Nele Anders und Nina Schmelzer erklärten, deutsche Entscheidungsträger müssten weniger Sorge haben, dass eine strengere China-Politik bei den Wählern auf Ablehnung stoße. Laut dem Kommentar sind Deutsche im Vergleich von 15 untersuchten europäischen Ländern besonders china-skeptisch. Unter Anhängern von CDU/CSU und SPD betrachteten mindestens 60 Prozent China als Rivalen oder Gegner. In Italien und Spanien sähen dagegen größere Teile der Bevölkerung China weiterhin als notwendigen Partner oder sogar als Verbündeten; der ECFR nennt hier 56 Prozent in Italien und 65 Prozent in Spanien.
Als Grund nennt der ECFR unter anderem den starken Druck auf die deutsche Industrie. Besonders die Autoindustrie stehe unter Konkurrenzdruck durch chinesische Hersteller. Zugleich sehen die Autorinnen in der Energiewende eine Chance: Eine strengere China-Politik könne mit Investitionen in erneuerbare Energien und europäische Zukunftsindustrien verbunden werden. Ziel sei es, neue Abhängigkeiten von China zu vermeiden und gleichzeitig die eigene Wirtschaft zu stärken.