Taipei – 14. August 2026. Taiwans Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍) erklärte, parteipolitischer und wahlpolitischer Wettbewerb sei innerhalb Taiwans zwar normal, dürfe aber nicht den übergeordneten Interessen des Landes schaden. Die taiwanische Diplomatie umfasse das Überleben und die Entwicklung der Nation sowie die gemeinsamen Interessen aller Taiwaner. Seine Äußerungen erfolgten als Reaktion auf Kommentare der KMT-Parteivorsitzenden Cheng Li-wun (鄭麗文) Anfang dieser Woche.
Cheng hatte in einem Interview erklärt, Taiwan sei nie unabhängig gewesen und auch nie ein Staat gewesen, was im Internet heftige Reaktionen auslöste.
Auf die Äußerungen angesprochen, sagte Lin in einem Interview mit den Medien, die Behauptung, Taiwan sei kein Staat, stelle einen Rückschlag für die diplomatischen Bemühungen des Landes dar. Er forderte die Öffentlichkeit auf, die seiner Ansicht nach erhebliche Veränderung in Chengs Worten und Handlungen genauer zu betrachten. Dabei bezog er sich auf ihren deutlichen politischen Wandel – von einer Abgeordneten der DPP (Demokratische Fortschrittspartei) zur Vorsitzenden der Oppositionspartei.
Lin betonte, dass die Republik China, Taiwan und die Volksrepublik China aus diplomatischer Sicht unabhängige Staaten seien. Taiwan erfülle die Kriterien eines unabhängigen Staates, unter anderem durch direkte Präsidentschaftswahlen und regelmäßige Wahlen zum Parlament. In jeder Hinsicht funktioniere Taiwan als eigenständiger Staat.
Die Tatsache, dass einige Länder aufgrund des Drucks bzw. der Einflussnahme Chinas keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan unterhielten, ändere nichts an Taiwans faktischer Staatlichkeit (de facto statehood), so Lin. Die diplomatische Anerkennung durch andere Staaten sei keine notwendige Voraussetzung für die Unabhängigkeit.