Der taiwanische Vertreter in der EU und Belgien hat am Mittwoch in einem Meinungsbeitrag argumentiert, dass Europa in Sachen von gesamtgesellschaftlicher Resilienz von Taiwan lernen könne.
Der englischsprachige Beitrag wurde am 19. August im europäischen Medium Euractiv veröffentlicht. Dr. Shieh Jhy-wey (謝志偉) war vor seiner Entsendung nach Brüssel lange Zeit taiwanischer Vertreter in Deutschland.
Unter dem Titel “Europa sollte Taiwans “kleines oranges Buch” lesen” argumentiert Dr. Shieh dass das im Vorjahr von der taiwanischen Regierung veröffentlichte kleine orange Buch zum Zivilschutz ein symbolischer Meilenstein im Umgang mit der hybriden Bedrohung aus China sei. Dabei habe Taiwan sich von der langen Erfahrung Europas im Zivilschutz inspirieren lassen. Dieser Austausch der Ideen sollte jedoch nicht einseitig sein.
Was Europäer heute als “hybride Bedrohung” beschreiben habe die Tagespolitik in Taiwan schon viele Jahre beeinflusst. Dabei führt Dr. Shieh das Beispiel der Beschädigung von Unterseekabeln in Taiwan an. Nach einem Vorfall im Februar 2023 habe Taiwan stark in die Redundanz seiner Netzinfrastruktur investiert. Als im April 2026 erneut ein Kabel beschädigt wurde, hätten die Backup-Systeme die Kommunikation mit deutlich weniger Störungen aufrechterhalten.
Resilienz sei in der Praxis selten dramatisch, argumentiert Dr. Shieh. Häufig bedeute Resilienz, sicherzustellen, dass die Gesellschaft auch unter Druck weiter funktioniert. Anstatt Widerstandsfähigkeit als reines Verteidigungsthema zu behandeln, würde Taiwan Widerstandsfähigkeit als etwas betrachten, was zur gesamten Gesellschaft gehört.
Dr. Shieh schließt mit dem Hinweis, dass Taiwan beim Entwerfen seines “kleinen orangen Buches” sehr genau auf Europa geschaut habe. Vielleicht sei es an der Zeit, so Dr. Shieh, dass Europa nun einen genaueren Blick auf Taiwan werfe.