Taiwans Kulturminister Li Yuan (李遠) hat am Montag beim Forum "Taiwanische Literatur aus globaler Perspektive" am King's College London die wachsende internationale Aufmerksamkeit für die taiwanische Literatur hervorgehoben.
Die internationale Anerkennung von "Taiwan Travelogue" der taiwanischen Schriftstellerin Yang Shuang-zi (楊双子) biete der taiwanischen Literatur eine besonders wichtige Chance, sagte Li. "Taiwan Travelogue", ins Englische übersetzt von Lin King (金翎) , erhielt den International Booker Prize 2026.
Natasha Brown, Vorsitzende der Jury des International Booker Prize 2026, erklärte, die Jurymitglieder hätten rund 130 übersetzte Werke aus aller Welt gelesen. Als sie "Taiwan Travelogue" gelesen habe, habe sie das Gefühl gehabt, dass dieses Buch gewinnen werde. Die Anziehungskraft des Romans liege nicht nur in seiner literarischen Qualität, sondern auch in der Übersetzung, sagte Brown. Diese habe unvertraute kulturelle Bezüge für englischsprachige Leser verständlich und interessant gemacht.
Das Werk thematisiere zwar eine komplexe Kolonialgeschichte, breche die große Geschichte jedoch auf die persönliche Ebene herunter. Es überschreite kulturelle Grenzen und sogar Grenzen verschiedener Generationen.
Bei dem Forum am King's College London sagte Kulturminister Li, er stelle sich als Schriftsteller, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, schon lange die Frage: "Was ist Taiwan?". Taiwanische Schriftsteller hätten sich mit dieser Frage aus zunehmend unterschiedlichen Perspektiven auseinandergesetzt, unter anderem mit Blick auf Ökologie, Geschichte, indigene Identität, queere Literatur und lokale Gemeinschaften.
An dem Forum nahmen mehr als 100 Menschen teil. Zu den weiteren Teilnehmern gehörten der irische Dichter und Literaturkritiker John McAuliffe sowie Anna Goode, Geschäftsführerin des British Centre for Literary Translation.
Während seines London-Aufenthalts besichtigte Li am Montag außerdem das V&A East Storehouse des Victoria and Albert Museum. Das im Mai 2025 für die Öffentlichkeit eröffnete Depot ermöglicht Besuchern einen besseren Zugang zu den Sammlungen des Museums.
Nach seinem Besuch in Großbritannien wird Kulturminister Li Yuan nach Frankreich weiterreisen.