Die taiwanische Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (蕭美琴) ist am heutigen Montag von ihrer Italienreise zurückgekehrt. Sie hatte dort an der zweiten Ventotene-Konferenz für Freiheit und Demokratie teilgenommen. Dabei war sie von Außenminister Lin Chia-lung (林佳龍) begleitet worden.
Die Vizepräsident wies darauf hin, dass auf der Insel Ventotene während des Zweiten Weltkrieges italienische Antifaschisten wie Altiero Spinelli eingesperrt wurden. Diese hatten in der “Dunkelheit des Krieges und Autoritarismus” das “Manifest von Ventotene” veröffentlicht. Damit prägten sie die föderalistischen Ideen, die in der Nachkriegszeit zur Gründung der Europäischen Union führten.
In den 80 darauffolgenden Jahren habe Europa Schritt für Schritt eine Gesellschaft aufgebaut mit den Kernwerten von Demokratie, Freiheit, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit, so Vizepräsidentin Hsiao weiter. Das sei ähnlich wie der lange Weg Taiwans hin zu Freiheit und Demokratie. Auch wenn sich die historischen Hintergründe unterscheiden, würden beide Beispiele beweisen, dass Demokratie und Freiheit nicht vom Himmel fallen, sondern fortwährend erkämpft, umgesetzt und bewahrt werden müssen.
Die Reise von Vizepräsidentin Hsiao war im Voraus nicht angekündigt worden, um Einmischung zu verhindern. Sie erfolgte auf Einladung der Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes Pina Picierno und des Leiters des italienischen Büros im Europäischen Parlament Carlo Corazza. Nach Bekanntwerden von Hsiaos Teilnahme kündigte die Europäische Kommission ihren Rückzug von der Veranstaltung an.