Gestern sind in Paris die 29. Taiwan‑Frankreich-Kulturpreise verliehen worden. In diesem Jahr ging der Preis an Wu Hsi-deh (吳錫德), emeritierter Professor der französischen Abteilung der Tamkang-Universität, sowie an Victor Louzon, außerordentlicher Professor für Geschichte an der Sorbonne-Universität.
Taiwans Kulturminister Li Yuan (李遠) sagte in seiner Ansprache: "Ich fühle mich sehr geehrt, erneut im Institut de France sein zu können. Ich habe ein tieferes Verständnis dafür gewonnen, dass für Taiwan Kunst der kürzeste Weg zur Welt ist. Freiheit und der humanistische Geist sind gemeinsame Kernwerte, die Taiwan mit der internationalen Gemeinschaft teilt."
Li erklärte, Wu Hsi-deh habe Frankreich sein ganzes Leben lang in Taiwan bekannt gemacht, während Louzon Taiwan mit seiner fachlichen Expertise in die Welt getragen habe. Beide seien aus unterschiedlichen Richtungen aufgebrochen und schließlich an derselben kulturellen Brücke zusammengetroffen.
Zu den beiden diesjährigen Preisträgern sagte Li, Wu Hsi-deh habe fast 40 Jahre lang unterrichtet und sich über lange Zeit der französischen Sprachausbildung, der Übersetzung sowie der Vermittlung französischer Literatur und Geistesgeschichte gewidmet. Dabei habe er fast 3.000 Menschen zu Französischfachkräften ausgebildet. Louzon habe sich über lange Zeit der Erforschung der zeitgenössischen politischen Geschichte Taiwans sowie der politischen Transformation im Jahr 1945 gewidmet. Zudem habe er an der Sorbonne einen Kurs zur Geschichte Taiwans angeboten und damit Taiwans historische Erfahrungen und seinen Demokratisierungsprozess in die europäische akademische Forschung und öffentliche Diskussion eingebracht.
Laut dem Kulturministerium gründete Wu Hsi-deh 1996 den taiwanischen Verband der Französischlehrkräfte und 2014 den taiwanischen Verband der Französischübersetzer. Außerdem initiierte er Veranstaltungen zum Internationalen Tag der Frankophonie in Taiwan sowie französische Übersetzungspreise.
Victor Louzon habe sich in seiner Forschung auf die Transformation der politischen Macht in Taiwan im Jahr 1945 konzentriert und die erste französischsprachige Monografie über den 228-Zwischenfall veröffentlicht, so das Kulturministerium.
Außerdem habe er sich dafür eingesetzt, französische Studierende für Forschungsaufenthalte nach Taiwan zu bringen, wissenschaftliche Konferenzen zu organisieren und Übersetzungsprojekte zur Geschichte Taiwans ins Leben zu rufen.
Auch der Präsident der Académie des Sciences Morales et Politiques des Institut de France, Jean-David Levitte, nahm an der Preisverleihung teil.
Der 1996 ins Leben gerufene und seitdem jährlich verliehene Taiwan-Frankreich-Kulturpreis zeichnet Institutionen und Einzelpersonen aus, die einen bedeutenden Beitrag zur Förderung der taiwanischen Kultur in Frankreich, Europa und Taiwan geleistet haben, so das Kulturministerium.
Der Preis wird vom taiwanischen Kulturministerium gemeinsam mit der Académie des Sciences Morales et Politiques des Institut de France vergeben.