Der Nanshan-Friedhof in Tainan erstreckt sich über mehr als 100 Hektar. Es ist der größte Gräberkomplex in ganz Taiwan. Allein an der Oberfläche befinden sich etwa 50.000 Gräber, von denen die ältesten bis in das Jahr 1642 zurückreichen. Gräber aus der Ming- und Qing-Dynastie, der japanischen Kolonialzeit und der Nachkriegszeit liegen hier nebeneinander. Das Areal gleicht einem Freilichtmuseum, das 400 Jahre Entwicklungsgeschichte der Stadt Tainan und Taiwans dokumentiert.
Doch gerade jetzt, nur kurz nach dem traditionellen Totengedenkfest, dem Qingmingjie, droht der Friedhof abgerissen zu werden. Hier in Taiwan, wo der Ahnenkult bis heute von großer Bedeutung ist, stellt sich zunehmend die Frage, wie Tradition und Fortschritt, Toten- und Gräberkultur sich vereinen lassen.