Ende 2024 hat das erste Mal ein Buch aus Taiwan den Nationalen Buchpreis für übersetzte Literatur in den USA gewonnen. Jetzt, im Mai 2025, wurde es zudem noch mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Der Roman mit dem Titel "台灣漫遊錄" oder direkt übersetzt in etwa Reisebericht Taiwan, erzählt über mehrere Metaebenen hinweg von einer japanischen Autorin, die im Jahre 1938, also in der Zeit als Taiwan noch japanische Kolonie war, Taiwan gemeinsam mit einer einheimischen Dolmetscherin bereist, um einen Bericht zu schreiben.
Die Geschichte wird jedoch nicht direkt von der Autorin mit dem Künstlernamen Yang Shuangzi (楊雙子) erzählt. Vielmehr wird dem Leser vorgetäuscht, er lese die Übersetzung des ursprünglich japanischen Reiseberichts. Diese Verschachtelung regt dazu an, neben dem kolonialen Machtgefälle, auch der Macht Beachtung zu schenken, die Sprache, Geschichtsschreibung und auch Übersetzung innewohnt.
Ins Deutsche wird das Buch gegenwärtig von der renommierten Übersetzerin Karin Betz übertragen. Sie studierte Sinologie, Germanistik sowie Philosophie und hat Science-Fiction Bestseller-Autor Liu Cixin, den Nobeltreisträger Mo Yan, den Friedenspreisträger Liao Yiwu und viele mehr ins deutsche Übersetzt. Für ihr Lebenswerk wurde sie zuletzt mit dem renommierten Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis ausgezeichnet.
Im Interview erzählt sie von den besonderen Herausforderungen, vor die sie der Roman Taiwan Travelogue als Übersetzerin stellt.