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Taiwan Travelogue gewinnt den Booker Prize

23/05/2026 Kulturpanorama

Der 2020 erschienene Roman Taiwan Travelogue oder im chinesischen Original 臺灣漫遊錄, erzählt die Geschichte einer japanischen Autorin, die im Jahre 1938, also in der Zeit als Taiwan noch japanische Kolonie war, Taiwan gemeinsam mit einer einheimischen Dolmetscherin bereist, um einen Bericht zu schreiben.

Das Buch gibt dem Leser gegenüber jedoch vor, die Übersetzung eines ursprünglichen japanischen Reiseberichts zu sein. Die vermeintliche Übersetzerin, die ja eigentlich einfach die Autorin ist, fügt so z.B. Fußnoten hinzu, in der sie das Geschehen aus Perspektive der Übersetzerin kommentiert. Über diese besondere Verschachtelung regt das Buch dazu an, der Macht Beachtung zu schenken, die Sprache, Geschichtschreibung und auch Übersetzung innewohnt. Es ist ein Roman, der die koloniale Geschichte Taiwans, die wichtiger Bestandteil der heutigen taiwanischen Identität geworden ist, aus neuer Perspektive bespricht.

Der Roman, oder genau genommen seine englische Übersetzung, wurde vor wenigen Tagen mit dem renommierten Booker Prize in Großbritannien ausgezeichnet. Einige Monate zuvor hatte er bereits den Nationalen Buchpreis für übersetzte Literatur in den USA gewonnen. Bei beiden Preisen ist es das erste Mal, dass ein Buch aus Taiwan oder überhaupt ein chinesischsprachiges Buch den ersten Platz belegt.

Diese Auszeichnungen auf internationaler Bühne, haben auch in Taiwan dazu geführt, dass das Buch zur Zeit in aller Munde ist. Die Leute hier sind Stolz auf das Buch. Denn es repräsentiert Taiwan vor den Augen der Welt und beginnt somit ein Bedürfnis nach politischer Teilhabe und Selbstbestimmung zu erfüllen, das viele hier verspüren. Auch die Dankesreden sowohl der Autorin Yang Shuangzi als auch der Übersetzerin des Romans ins Englische, Lin King, sprechen diese Punkte an.

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