Wer in Taiwan mit Kreislaufbeschwerden in eine ärztliche Praxis kommt, bekommt unter Umständen kein Elektrolytgetränk, sondern ein Kräuterdekokt der chinesischen Medizin. Verschrieben von einem Arzt. Bezahlt von der staatlichen Krankenversicherung. Denn, in Taiwan gehört die chinesische Medizin zur Regelversorgung.
Das ist der Unterschied zu Deutschland. Hier zahlen die Kassen Akupunktur seit einiger Zeit, aber nur bei chronischem Kreuzschmerz und bei Kniearthrose. Chinesische Arzneimitteltherapie ist gar keine Kassenleistung. Wer sie will, zahlt selbst.
In Taiwan nimmt etwa jeder Vierte sie im Lauf eines Jahres in Anspruch. Es gibt Lehrstühle, eigene Abteilungen an rund hundertfünfzig Krankenhäusern, gut viertausend Praxen. Und das in einem Staat, dessen Gesundheitssystem international als eines der modernsten gilt. Wie passt das zusammen? Wie arbeiten die beiden Medizinsysteme im Klinikalltag zusammen und was tun Ärzte, wenn sie sich widersprechen?